Leverkusen muss jetzt die champions league retten – auch gegen bayern
Kasper Hjulmand steht vor der größten Wette seiner Bundesliga-Karriere: Drei Tage nach dem 1:1 gegen Arsenal droht das Endspiel gegen den FC Bayern – und wer jetzt noch auf volle Kraft gegen die Münchner setzt, verspielt vielleicht das größte europäische Märchen seit 2002.

Warum das bayern-spiel plötzlich nebensache ist
Die Werkself hat Arsenal einen Riss aufgerissen. Nicht groß, aber tief genug, dass sich plötzlich mehr als nur Achtelfinale denken lässt. Der Turnierbaum lockt: Kein Real, kein City, kein Liverpool – nur Barcelona oder Atlético wären im Halbfinale machbar. So eine Konstellation kommt nicht wieder. Nie.
Die Rechnung ist simpel: Wer in London gewinnt, fliegt ins Viertelfinale. Wer dort verliert, darf sich mit Platz vier in der Liga trösten. Und genau hier beginnt der Kniff. Denn selbst ein Sieg gegen Bayern garantiert nichts – aber ein Sieg bei Arsenal öffnet ein Tor, das danach niemand mehr zukriegt.
Alejandro Grimaldo hatte es nach Freiburg angedeutet: Die Beine waren leer. Die Daten bestätigen es: Die Sprintleistung fiel in der 75. Minute um 14 % ab. Bei Arsenal nutzte das keine Rolle, weil die Gunners ebenfalls platt waren. In der Allianz Arena sieht das anders aus. Dort wartet ein Gegner, der Dienstag und Samstag spielen kann, weil er rotiert wie ein Kreisel.
Hjulmand muss jetzt rotieren. García, Maza, Kofane – alle drei haben in London 90 Minen im Bein. Wenn sie samstags wieder von Anfang an laufen, fehlt ihnen am Dienstag die letzte Explosion. Und genau die braucht man, um Emile Smith Rowe oder Martin Ødegaard einen Schritt zu spät kommen zu lassen.
Die Angst, die Top 4 zu verpassen, ist berechtigt, aber übertrieben. Die Tabelle lügt nicht: Selbst bei einer Niederlage gegen Bayern liegt Leverkusen bei 49 Punkten. Union, Freiburg und Frankfurt haben 37, 36, 34. Drei Siege aus den letzten sieben Spielen reichen. Die Champions League dagegen bietet nur diesen einen Ansatz.
Die Geschichte der Bundesliga kennt diese Entscheidung: 2019 setzte Niko Kovac gegen Liverpool auf Rotation – und gewann trotzdem. 2021 verzichtete Hansi Flick vor dem Gladbach-Spiel auf Lewandowski – und schaffte den Pokal. Gewinner denken in Etappen, nicht in Tabellen.
Am Dienstag um 21 Uhr steht Leverkusen in London. Dann zählt nur noch eins: Wer zuerst trifft, träumt. Wer zuerst träumt, gewinnt. Der Rest ist Liga-Alltag. Und der kann warten.
