Leverkusen gegen arsenal: die werkself zittert vor gyökeres, dazn zeigt das feuerchen
18:45 Uhr, BayArena, Champions-League-Achtelfinale: Bayer 04 empfängt den Premier-League-Primus FC Arsenal – und plötzlich steht Viktor Gyökeres im Mittelpunkt, der Schwede mit den Solo-Läufen, die Leverkusens Pressing-Statistik albtraumhaft erscheinen lassen.
Kasper hjulmand muss patzer verstecken, mikel arteta kann mit kids experimentieren
Die Werkself kassierte am Wochenende beim 3:3 in Freiburg das nächste Lehrstück in Sachen Ballverlust im Aufbauspiel. 109 gegnerische Balleroberungen in der eigenen Hälfte – nur Qarabag ist schlimmer. Arsenal reist mit zwei Sechzehnjährigen im Gepäck, die gegen Mansfield Town gerade ihr Debüt feierten. Die Ironie: Die Kids spielen befreit, während die Leverkusener Profis nach jeden Pass horchen, ob das Publikum wieder aufjault.
DAZN sicherte sich die Rechte, Free-TV-Gucker bleiben draußen. Wer nicht zahlt, muss auf den Sport1-Liveticker ausweichen oder sich mit Radio und Twitter begnügen. Die Paywall trifft vor allem jene Fans, die 2001 noch im Stadion standen, als sich Bayer und Arsenal zum letzten Mal in der zweiten Gruppenphase ein 1:1 gönnten. Damals war Highbury noch ein Fußballtempel, heute ist es Wohnraum. Die Zeiten ändern sich – nur die Gelbsperre von Alejandro Grimaldo bleibt gleich hart. Der Spanier fehlte gegen Bayern, wird heute aber zurückkehren, 23 Schussvorlagen in dieser Saison sprechen für sich.
Patrik Schick könnte die Angst nehmen. In 30 Prozent seiner Champions-League-Spiele traf der Tscheche, und wenn er in der BayArena traf, gewann Leverkusen zuletzt zweimal. Die Zahl klingt nach Platzwette, doch die Wahrheit ist schlicht: Ohne Schick-Treffer sieht Bayer in dieser Saison selten wie ein Achtelfinalist aus. Arsenal wiederum traf in den letzten elf europäischen Partien immer zuerst – auswärts sogar siebenmal in Serie. Wer beginnt, dem gehört die Nacht.

Die ungeschriebene geschichte: artetas jungbrigade gegen hjulmands notstand
Mikel Arteta kann es sich leisten, mit Youngstars zu probieren, weil seine Startelf zehn Pflichtspiele ohne Niederlage durchexerzierte. Kasper Hjulmand dagegen muss improvisieren: Jeremie Frimpongs Laufwege sollen Gyökeres einschränken, Edmond Tapsoba wird gebeten, die Lücke vor dem Sechzehner zu verkleinern, weil dort Arsenal 63 Prozent seiner Tore in beiden Halbzeiten erzielt. Die Statistik ist so präzise wie ein Drohnenangriff.
Die Fans diskutieren nicht über Taktik, sondern über die Frage, ob die BayArena bei Temperaturen um drei Grad überhaupt voll wird. Die Antwort liefert DAZN: Die Kameras werden die leeren Reihen nicht zeigen, dafür aber jeden Gyökeres-Sprint in Zeitlupe. Bei vier seiner zehn Champions-League-Tore lief der Stürmer mindestens fünf Meter mit Ball am Fuß – kein anderer Angreifer kombiniert Dribbling und Zielschärfe so effizient. Bayer hat zwei Optionen: entweder früh foulen oder früher Tore schießen. Beides ist riskant.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass das Achtelfinale kein Finale ist, aber ein Fingerzeig. Gewinnt Hjulmand, darf er von der Champions-League-Qualifikation in der Bundesliga träumen. Verliert er, wird die Diskussion über die Ersatzbank lauter. Arteta dagegen kann mit einem Auswärtssieg die Rotation forcieren und wieder nach Hause schicken, was ihn in der Premier League vor dem Stadtrivalen Manchester City behält. Die Rechnung ist einfach, die Umsetzung wird 90 Minuten lang brennen. Anpfiff 18:45 Uhr – oder, wie die Leverkusener es nennen: Die Stunde der Wahrheit mit Ansage Gyökeres.
