Letztes wm-ticket oder blamantes aus: italien, polen & co. müssen zittern
Keine zweite Chance, kein Rückspiel, kein Netzroller. Zwischen dem 26. und 31. März entscheidet sich in zwölf 90-Minuten-Kampfspielen, wer Europas letzte vier WM-Passagiere für USA/Kanada/Mexiko 2026 sein werden – und wer nach Hause fährt, ohne je ein Gruppen-Spiel gesehen zu haben.
Stefan Fischer, TSV Pelkum Sportwelt. Ich habe die Play-off-Pfade vor mir liegen und kriege schon beim Anblick von Pfad A Gänsehaut: Italien, vierfacher Weltmeister, droht das dritte WM-Desaster nacheinander. Die Squadra Azzurra muss gegen Nordirland gewinnen, ehe Wales oder Bosnien-Herzegowina im Finale lauert. Kein Buffon mehr zwischen den Pfosten, kein Totti mehr auf der Tenue – aber immer noch dieser Druck, der aus der Geschichte der blauen Trikots quillt wie Dampf aus einer alten Lokomotive.
Warum robert lewandowski plötzlich wieder zitterpartien liebt
Polens Kapitän ist 37, aber seine Schussmaschine tickt präziser denn je. Gegen Albanien gilt Pflichtsieg, doch im Endspiel wartet die Ukraine oder Schweden – beide Teams, die Lewandowski schon in seiner Karriere entweder gedemütigt oder zur Verzweiflung gebracht haben. Für ihn ist das kein Play-off, sondern ein persönlicher Flashback: 2018 scheiterte Polen in der Gruppenphase, 2022 flog man im Achtelfinale raus. Jetzt darf er Geschichte umschreiben, bevor seine Biografie ins Regal der fast Verdienten rutscht.
Pfad B ist deshalb so brisant, weil die Ukraine seit Monaten auf neutralem Boden trainiert. Ihr Spiel gegen Schweden findet in Berlin statt – ein Geisterspiel mit Heim-Flair. Die Hymne wird laut werden, auch wenn nur 3.000 Tickets für ukrainische Fans freigegeben wurden. Polen sollte sich warm anziehen: Emotionen sind der beste Treibstoff für Underdogs.

Türkei gegen die eigene wm-statistik – 72 jahre warten auf ein wiedersehen
Arda Güler trägt die 10, die früher Hagi, Şükür und Calhanoglu trugen. Das Genie von Fenerbahçe ist 21 und hat noch keine Sekunde WM-Luft geschnuppert. Dabei ist die Türkei seit 1954 nur ein einziges Mal bei einem Turnier dabei gewesen – 2002, als sie Dritter wurde. Rumänien im Halbfinale klingt machbar, doch danach warten Slowakei oder Kosovo. Letztere haben nichts zu verlieren, erstmals wären sie dabei. Die Bosporus-Nation kann Fußballgeschichte schreiben oder erneut zur Fußnote werden.
Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch im Türkischen Generalkonsulat Dortmund, 2002, als ich mit meinem Vater das Halbfinale gegen Brasilien schaute. Damals weinte eine ganze Diaspora. Heute schickt WhatsApp-Sticker mit Ardas Gesicht. Die Technik ändert sich, die Sehnsucht bleibt.
Dazn kauft sich die exklusiv-angst der fans
Kein Free-TV, kein ZDF, keine ARD. Alle zwölf Spiele laufen nur beim Streamingdienst DAZN – ein Schlag ins Gesicht der Tradition, aber ein Schnäppchen für die Plattform. 9,99 Euro im Monat, dafür bekommt man Konferenzschalten mit vier parallel laufenden Spielen und Kommentatoren, die zwischen den Pipelines hin- und herspringen. Die Quote wird bröckeln, die Diskussion um Bezahl-Sport wird weitergehen, aber für uns Sportverrückte heißt es: Kreditkarte zücken oder Freundeskreis organisieren, denn verpassen darf man dieses Drama nicht.
Die Uhr tickt. In 72 Stunden wissen wir, ob Italien wieder den Katastrophen-Film dreht, ob Lewandowski seine letzte WM-Chance nutzt, ob Güler zum türkischen Messias wird. Ich werde vor dem Bildschirm sitzen, mein altes Italien-Trikot vom Euro 2012 anziehen und darauf wetten, dass mindestens ein Favorit in Tränen auflöst. Sport ist eben kein Märchen – er ist das echte Leben mit zusätzlicher Verlängerung.
