Leao zittert nicht mehr: milan darauf hoffen, dass der portugiese jetzt endlich durchstartet
Milan atmet auf. Rafael Leao hat das Lazarett verlassen, ohne es je richtig betreten zu haben. Die Kernspin-Untersuchung zeigte: kein Einriss, keine Faserrisse, nichts, woran sich die medizinische Abteilung von Stefano Pioli die Finger verbrennen müsste. Ein Muskelkater, hartnäckig, aber harmlos.
Der Portugiese fehlt heute (18 Uhr, San Siro) gegen Turin. Er wird auf der Tribüne sitzen, Kapuze tief ins Gesicht gezogen, und die Anspannung spüren, die ihn seit dem 0-0 im Olimpico verfolgt. Dort, am 24. Spieltag, ging er nach 63 Minuten mit schmerzverzerrter Miene runter. Seitdem pendelt er zwischen Teileinsatz und Schonung.
Warum pioli trotzdem auf leao setzt
Die Zahlen sind eindeutig: In den 18 Partien, in denen Leao in dieser Saison von Beginn an rannte, kletterte Milans Punkteschnitt auf 2,11. Ohn ihn sackt sie auf 1,54 ab. Das ist der Unterschied zwischen Champions-League-Viertelfinale und Europa-League-Quali. Pioli weiß: Wenn er im April den Napoli-Turbo zünden will (6. April, Maradona, 20.45 Uhr), braucht er Leaos Sprintwerte. 36 km/h Spitzengeschwindigkeit stehen in der Statistik – kein Rossonero kommt auch nur in die Nähe.
Der Plan lautet: Noch einmal sieben Tage Pause, dann individuelles Laufprogramm, danach Gruppentraining. Die Mediziner haben Pioli ein Return-to-Play-Protokoll auf drei Seiten aufgesetzt. Kernpunkt: keine Belastung vor dem 30. März. Danach darf Leao wieder in die GPS-Weste steigen, die seine Beschleunigungswerte misst. Erst wenn die innerhalb von zwei Trainingseinheiten unter fünf Prozent Abweichung liegen, gibt es grünes Licht.

Die stunde der wahrheit rückt näher
Ein Ausfall gegen Napoli würde Milan nicht nur den dritten Platz kosten, sondern auch die Head-to-Head-Bilanz. Die Partenopei gewannen das Hinspiel 2-1, ein erneuter Sieg würde Milan auf Distanz halten. Pioli hat deshalb intern angekündigt, Leao „nur mit 100 Prozent“ einzusetzen. Der Spieler selbst pflegt auf Instagram Trainingsvideos, in denen er mit Compex-Elektroden posiert. Die Botschaft: Ich bin kurz vor dem Comeback.
Die Fans sind zwiegespalten. Einerseits wollen sie den Flügelflitzer sehen, andererseits fürchten sie den nächsten Rückschlag. Die letzte Verletzung kostete Leao fünf Pflichtspiele, Milan holte in dem Zeitraum sieben von 15 möglichen Punkten. Die Devise lautet: Risikomanagement. Keine Spritzen, keine Kurzzeittherapien, nur Muskelaufbau und Regeneration. Der Klub hat sogar einen Blutlaktat-Test bestellt, der am Montag ausgewertet wird. Ergebnis liegt am Dienstag vor.
Leao selbst schwieg nach der Untersuchung. Kein Statement, keine Story – nur ein Daumen hoch Richtung Kamera. Das reicht. Milan hat gelernt, dass zu viele Worte oft zu wenig Tore bedeuten. Wenn alles glatt läuft, fliegt der Portugiese am 1. April nach Lissabon, absolviert dort ein Warmwasser-Training und kehrt als letztes Puzzlestück zurück. Dann könnte die Saison doch noch eine Final-Phase bekommen, die sich Pioli erhofft. Ohne Leao ist sie nur halb so schnell.
