Lazio-keeper provedel fällt monatelang aus – schicksalsspiel gegen milan droht
Ivan Provedel wird operiert. Die Lazio bestätigte am Freitagabend, dass ihr Stammtorwart eine arthroskopische Schulterstabilisation erwartet – eine Formulierung, die in der medizinischen Fachsprache für mindestens vier Monate Pause steht.
Die Diagnose traf den 31-Jährigen wie ein Blindside-Tackle. Nach dem 2:2 in Bergamo hatte Provedel noch mitgespielt, die Schmerzen aber immer wieder weggesteckt. Erst die hochauflösende MRT in der Klinik Villa Mafalda legte den Befund offen: Glénoid-labrale Bandruptur, lateinisch für „derKeeper fällt aus“. Edoardo Motta rückt zwischen die Pfosten, ein 25-jähriger, der in der Serie A gerade mal 74 Minuten auf dem Konto hat.
Maurizio sarri verliert seinen letzten anker
Verluste kaskadiert. Mit Provedel verschwindet nicht nur der Mann, der in dieser Saison 34 Punkte mit Paraden rettete, sondern auch der Libero, der Lazios hohe Defensive möglich macht. Sarri spielte systematisch auf der Kante, weil er wusste: hinten steht ein Keeper, der 35 Meter vor dem Tor noch einen Fuß dransetzt. Ohne ihn droht das Kartenhaus einzustürzen.
Die Statistik spricht eine klare Sprache: Wann immer Provedel fehlte, kassierte Lazio im Schnitt 1,9 Tore pro Spiel – statt 0,9. Das 0:3 in Neapel war erst der Auftakt. Nun folgen Auswärtsspiele in Turin und Mailand, wo jedes falsche Aufbauspiel sofort bestraft wird.
Motta ist athletisch, kein Zweifel. Doch seine Passquote liegt 14 Prozentpunkte unter der des Verletzten, und bei hohen Bällen wirkt er unsicher. Sarri wird entweder das Risiko reduzieren – und damit seine DNA verleugnen – oder er setzt auf junge Nerven und lebt mit dem drohenden Absturz in die Tabellenhälfte.

Die champions-league-träume schrumpfen
Lazio liegt fünf Punkte hinter der Königsklasse. Mit Provedel hätte der Plan Stadio Flaminio 2032 noch Sportlichkeit gehabt; ohne ihn mutiert das Projekt zur PR-Geste. Die Geschäftsführung rechnet intern mit einem Minus von 25 Millionen Euro, sollte der Klub erneut in der Europa League landen.
Der Keeper selbst schickte von der Krankenstation ein Foto: Daumen hoch, Arm in der Schlinge. Die Botschaft: „Ich komme zurück.“ Aber der Zeitplan ist gnadenlos. Die Serie A startet am 17. August in die neue Saison – genau 135 Tage nach seiner Operation. Selbst bei perfekter Heilung fehlen dann Vorbereitung und Sommertraining. Wiederholungsgefahr: 30 Prozent.
Für Lazio beginnt jetzt ein Poker um Ersatz. Die Leihe von Altay Bayındır aus Manchester liegt auf dem Tisch, doch die Ablöseforderung von acht Millionen treibt die Blutdruckwerte des Sportdirektors in den roten Bereich. Die Alternative heißt Christos Mandas, griechischer Juniorennationalkeeper, 21 Jahre, 1,96 Meter, aber nur 13 Profipartien. Ein Sprung ins kalte Wasser – mit Champions-League-Charakter.
Am Sonntag um 20.45 Uhr steht Motta erstmals im Kasten. 65 000 Römer werden ihre Angst in den Chor der Curva Nord pressen. Ein einziger Fehler, und die Saison kippt. Die Gewissheit: Ohne Provedel ist Lazio ein anderes Team – kleiner, verwundbarer, lauter.
