Laufpionierin switzer: „die spitze des eisbergs ist nur der anfang“
Kathrine Switzer, deren mutiger Auftritt beim Boston-Marathon 1967 die Laufwelt für immer veränderte, mahnt zur Geduld. Trotz immenser Fortschritte bei der Gleichberechtigung im Laufsport, sieht sie noch große Hürden vor Frauen weltweit.
Ein erbe, das weiterlebt: 261 fearless
Die Organisation 261 Fearless, mitgegründet von Switzer und Edith Zuschmann, setzt sich für eine inklusive und unterstützende Laufgemeinschaft ein. Die Zahl 261, Switzers Startnummer bei jenem historischen Rennen, ist zum Symbol für den Kampf um Gleichberechtigung geworden. „Wir wollen Frauen ermutigen, mit dem Laufen zu beginnen und dranzubleiben“, erklärt Zuschmann im Gespräch mit rbb|24. „Mit jedem Schritt geht es um mehr Mut, Selbstbewusstsein und Lebensfreude.“

Mehr als nur ein rennen: die herausforderungen bleiben
Während die Bilder von Switzers Angriff durch den Rennleiter zu einer ikonischen Darstellung des Kampfes um Gleichberechtigung geworden sind, betont Zuschmann, dass die Situation keineswegs gelöst ist. „Es ist wunderschön zu sehen, was sich getan hat – das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt nach wie vor viele Frauen weltweit, die es sich nicht zutrauen, laufen zu gehen.“
Die Organisation konzentriert sich darauf, ein Umfeld zu schaffen, in dem Frauen sich willkommen und unterstützt fühlen. Dazu gehören die Ausbildung von Trainerinnen, die Schaffung geschützter Laufgruppen und die Förderung von Frauen in Führungspositionen im Sport. „Wenn eine Frau vorne steht, ist es für jemand, der noch zweifelt, deutlich einfacher“, so Zuschmann.

Zyklus, sicherheit und gesellschaftliche verantwortung
Neben der Schaffung eines unterstützenden Umfelds sieht Zuschmann auch die Notwendigkeit, die spezifischen Bedürfnisse des weiblichen Körpers zu berücksichtigen. „Der weibliche Körper beziehungsweise wie er auf Training reagiert, ist noch lange nicht ausreichend erforscht“, sagt sie. Auch das Thema Sicherheit, insbesondere bei Dunkelheit, spielt eine wichtige Rolle. „Alleine versus in der Gruppe zu laufen, ist ein ganz großes Thema.“
Doch es geht um mehr als nur Sport. Zuschmann betont die gesellschaftliche Verantwortung, Frauen die Möglichkeit zu geben, sich sportlich zu betätigen und gleichzeitig ihre familiären Verpflichtungen zu erfüllen. „Die Verantwortung muss klar geteilt werden, damit auch für die Frau Zeit bleibt für regelmäßiges Training.“
Die Laufwelt erlebt derzeit einen Boom, und die Zahl der weiblichen Teilnehmerinnen steigt stetig. „Ich freue mich zu sehen, dass die junge Generation selbstbewusster und offener ist“, sagt Zuschmann. „Die Nachricht ist endlich angekommen: Bewegung ist nicht nur Leistung, sondern ein Lifestyle.“
Die Arbeit von 261 Fearless ist noch lange nicht beendet. Solange Frauen weltweit noch Hürden überwinden müssen, um ihre Leidenschaft für das Laufen ausleben zu können, wird die Organisation weiterkämpfen – für eine Zukunft, in der jeder Schritt ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung ist.
