Lasse ludwig trifft wolff-fluch: jetzt reicht's für das dhb-debüt

32,23 % Fangquote, Platz eins aller Bundesliga-Keeper – und trotzdem saß Lasse Ludwig bisher nur im Wartezimmer der Nationalelf. Nun rückt der 23-jährige Füchse-Torhüter nach, weil Andreas Wolff freiwillig Platz macht. Erste Länderspiele gegen Ägypten, erste Nachricht von Palicka, erste Machtübernahme in Berlin.

Der anruf kam beim kaffee in der sonne

Mattias Andersson, Torwarttrainer des DHB, ließ es sich nicht nehmen, persönlich anzurufen. Ludwig schaut aufs Display, sieht den Verpassten, ruft zurück – und plötzlich steht fest: Donnerstag in Dortmund, Ägypten-Test, er steht im Kader. Keine Wildcard, keine Notlösung, sondern logische Konsequenz aus zwei Jahren konstantem Hochleistungssport.

Den Rest erledigte die Familie. Freundin und Schwester Zoe, selbst Füchse-Linksaußen, saßen direkt neben ihm. „Das war ein sehr schönes Gefühl“, sagt Ludwig, „der Zuspruch ist auch eine Bestätigung für den Aufwand, den man betreibt.“

Wolff zieht sich zurück – aus abwägung, nicht aus mitleid

Wolff zieht sich zurück – aus abwägung, nicht aus mitleid

Andreas Wolff fehlt dieser Tage im Aufgebot, weil er Spielzeit für David Späth und Ludwig freimachen will. Ob das ein freiwilliger Verzicht oder ein klarer Plan war, weiß Ludwig nicht: „Mit ihm habe ich darüber nicht gesprochen.“ Er schulterzuckt, dann lacht er. „Ich bin einfach glücklich, dabei zu sein.“

Die Statistik gibt ihm recht. Kein Bundesliga-Keeper fing in dieser Saison besser – und das, obwohl er hinter Dejan Milosavljev nur die Rolle des geduldigen Zweitmanns spielte. Jetzt folgt der nächste Umbruch: Milosavljev wechselt nach Kielce, Andreas Palicka kommt als Mentor und Konkurrent. Ludwig nennt das „einen wundervollen Vertrauensbeweis“. Palicka schrieb ihm schon, er freue sich auf die Zusammenarbeit. Gemeint ist: auf den Kampf um Minuten, auf den Schulterschluss zwischen Routinier und Jungstar.

Langfristig will er die füchse-ära bestimmen

Langfristig will er die füchse-ära bestimmen

Berlin hat ihn lang gebremst, jetzt will der Verein ihn tragen. Ludwig formuliert es ohne Pathos: „Ich will hier Teil des Projektes sein, ich will eine Ära prägen.“ Ob das schon 2025/26 passiert oder ein Jahr später, ist ihm egal. Hauptsache Spielzeit. „Wenn wir 50:50 teilen und Deutscher Meister sowie Champions-League-Sieger werden, bin ich der glücklichste Mensch der Welt.“

Die Message ist klar: Er will nicht mehr nur die Prozentquote schlechthin sein, sondern den Spielplan mitbestimmen. National wie international. Gegen Ägypten beginnt die Visitenkarte, danach folgt der Ernstfall. Wer weiß: Vielleicht reicht es schon zur Heim-WM 2027, dass aus dem Wolff-Fluch ein Ludwig-Boom wird.