Laporta krönt sich selbst: barça wählt den präsidenten, der bereits regiert
Joan Laporta legt sich die Krone wieder selbst auf. Der 63-Jährige gewinnt die Barça-Präsidentschaftswahl mit 68,18 Prozent und verlängert seine Machtphase bis 2031 – ohne Unterbrechung, nur mit formalem Stimmzettel.
48.480 stimmberechtigte Mitglieder gingen am Sonntag an die Urnen, 42 Prozent der Gesamtschaft. Die Zahl klingt bescheiden, reicht aber, um Laporta eine neue Siegesserie zu bescheren. Kontrahent Victor Font bleibt erneut auf 29,78 Prozent hängen, seit 2021 hat sich nichts verschoben – außer die Anzahl der Gerichtsverfahren.
Der trainer, der die wahl mitbestimmte
Hansi Flick war mehr als ein Wahlkampfhelfer. Im Dezember drohte der deutsche Coach mit seiner Kündigung, sollte Laporta scheitern. Es war kein Bluff. Nach dem Triple aus Liga, Copa del Rey und Supercopa besaß Flick genug politisches Kapital, um den Mitgliedern die Angst vor einem Machtvakuum einzupflanzen. Die Drohung zog: Viele wählten Laporta, um Flick nicht zu verlieren.
Die sportische Trendwende ist sein Trumpf. In der Champions League war erst das Halbfinale gegen Inter Mailand Endstation, doch das reicht, um die Kulissen der Camp-Nou wieder mit Hoffnung zu füllen. Die wirtschaftliche Sanierung tut ein Übriges: Die erste Löwenanteil-Einnahme aus dem Barça Studios-Deal sorgt für Luft auf der Gehaltsliste, die neue Trikotwerbung mit Spotify bringt jährlich 55 Millionen Euro – genug, um auch Lewandowski zu halten.

Die justiz folgt ihm ins amt
Doch der Sieg schmälert nicht die Vorwürfe. Kurz vor der Wahl erstattete die Zeitung „El Periódico“ Strafanzeige wegen Geldwäsche und unerlaubter Provisionen beim Nationalen Gerichtshof. Die Ermittlungen laufen, Laportas Name steht auf mehreren Anklageschriften. Die Anhänger wählten ihn trotzdem – oder gerade deshalb, weil sie ein stabiles Bündnis aus Sport und Macht wahren wollen.
Laporta selbst strahlt: „Dieses Ergebnis macht uns sprachlos. Niemand wird uns aufhalten.“ Die Rhetorik klingt nach 2003, als er erstmals Präsident wurde und Barça in die Moderne führte. 20 Jahre später ist die Botschaft identisch, nur das Haar weißer.
Am 1. Juli tritt er offiziell sein drittes Mandat an. Bis 2031 wird er 71 Jahre alt sein – oder vorher von der Justiz gebremst. Die Mitglieder haben gewählt, das Schicksal des Klubs bleibt an einem Mann kleben, der sich selbst zur Institution erklärt hat. Wer Barça verstehen will, muss Laporta verstehen – und seine Gerichte.
