Lange warnt vor frankreich: jetzt zeigt sich, ob deutschlands defense wm-tauglich ist
Olaf Lange hasst Scheinergebnisse. 113:80 gegen die Philippinen? Für ihn zählt nur die Tabelle der Fehler. 80 Gegenpunkte gegen einen Underdog sind keine Fußnote, sondern ein Brandmal. „Das ganze Spiel war ich frustriert mit unserer Defense“, sagt der Bundestrainer knapp, 48 Stunden vor dem Kracher gegen Olympia-Zweite Frankreich. Die Message ist klar: Wer in Villeurbanne nicht verteidigt, fliegt spätestens in Berlin aus der WM-Rolle.
Der Gegner wartet schon. Marine Johannés und die Les Bleues haben sich in Lyon eingekreist, um den deutschen Traum von der Medaille schon in der Qualifikation zu lähmen. Frankreich gilt als Top-4-Kandidat, Deutschland als Aufsteiger mit Gastgeber-Ticket. Doch Lange will mehr als ein Schaulaufen. „Langfristig wollen wir die auf jeden Fall schlagen“, sagt er – und meint nicht 2027, sondern diesen Sommer.
Die rückkehr der sabally-schwester
Nyara Sabally war gegen die Philippinen geschont, jetzt wird sie zum Rückgrat. Ohne ihre Schwester Satou und ohne Kapitänin Marie Gülich fehlt Format unter den Körben. Sabally junior muss Körbe verhindern und erzielen, sonst rächt sich jedes zweite Ballverlustchen gegen die athletischen Französinnen.
Die jüngste Hoffnungsträgerin ist Frieda Bühner. 19 Punkte gegen die Philippinen, 21 Jahre alt, kein Funken Angst. „Wir müssen da auch mit Stolz und Selbstbewusstsein reingehen, weil wir auch Waffen haben.“ Klingt nach Angeberei, ist aber die einzige Einstellung, die gegen Frankreich zieht. Wer sich versteckt, wird weggespült von einem Pick-and-Roll-Hurrikan.

Die defensive ist die offene frage
Die Statistik lügt nicht: Gegen Südkorea und die Philippinen kassierte Deutschland 129 Punkte in zwei Spielen. Das reicht für Sehenswürdigkeiten, nicht für Siege gegen Weltklasse. Lange fordert „den nächsten Schritt“ – gemeint ist: Weniger Iso-Defense, mehr Team-Rotation, wenige Ballverluste im Übergang. Frankreich jagt jeden Loose Ball, Deutschland muss ihn vorher sichern.
Die Partie ist auch ein Stresstest für die Bank. Nach Frankreich folgen Kolumbien und Nigeria, beide Teams mit Athletik und Druck. Wer hier konditionell einknickt, erhält in Berlin keine zweite Chance. Die Heim-WM ist kein Schicksal, sondern ein Termin. Und Termine haben die Eigenart, die Wahrheit über jeden zu enthüllen.
Die Uhr tickt. In 200 Tagen rollt der Ball in der Mercedes-Benz Arena. Lange will bis dahin eine Mannschaft, die nicht nur mit dem Publikum, sondern auch mit sich selbst im Reinen ist. Frankreich ist der erste Prüfstein. Wer ihn nicht stemmt, baut keine Medaille.
