Kwasniok raus! schon wieder zieht der fc die notbremse

Elf Uhr neun, Geißbockheim. Lukas Kwasniok rollt mit dem Dienstwagen davon, Fenster runter, Lächeln aufgesetzt. „Ich gehe jetzt die Sonne genießen.“ Hinter ihm schließt sich die Schleuse. Vor ihm liegt Millionen-Abfindung, aber keine Bundesliga-Zukunft mehr. Zwei Stunden früher war er noch der Chef, jetzt ist er Geschichte – Nummer zwölf seit Stögers Abgang 2017.

Der 3:3-Punkt im Derby rettete ihn nicht. Thomas Kessler hatte vor 75 000 Zuschauern drei Punkte gefordert, bekam einen, und das war ein Todesurteil. „Leistungsträger“ nannte der Sportchef Kwasniok einst, nun schickte er am Sonntagmorgen um 8.51 Uhr den ersten Warnschuss: persönliches Gespräch, keine Vorstandskulisse, nur kalte Trennung. Zwei Siege aus 18 Spielen – die Statistik frisst Trainer, egal wie lange der Vertrag läuft. Bis 2028 unterschrieben, aber Verträge gelten am Rhein nur bis zur nächsten Niederlage.

Der zeitplan des falls: 148 minuten zwischen hoffnung und rucksack

8.51 Uhr: Kesslers Audi vorparken. 10.49 Uhr: Kwasniok quetscht sich mit Rucksack durch die Reporterreihe, wirft den Joke vom Picknick. 11.09 Uhr: derselbe Mann, nur das Nummernschild hat sich verändert. Dazwischen liegen genau 20 Minuten, in denen der Gemeinsame Ausschuss tagt – Vorstand, Aufsicht, Beirat, Mitgliederrat. Keine Rede von Projekt, kein Schulterschluss, nur das Protokoll eines Rauswurfs.

Co-Trainer René Wagner übernimmt, weil niemand sonst da ist. Mit ihm verschwindet auch Frank Kaspari, Assistent und Vertrauter. Der Staff ist blank, die Kabine verunsichert. Kwasniok hatte nach Schlusspfiff noch gebetelt: „Ich bin der richtige Mann.“ Die Antwort kam per Aktennotiz.

Der fc baut ab – und zahlt wieder

Der fc baut ab – und zahlt wieder

Die Abfindung dürfte sich nach BILD-Informationen im niedrigen siebenstelligen Bereich bewegen. Geld, das der Club eigentlich in Kader und Nachwuchs stecken wollte. Stattdessen fließt es in die Trennungskultur. ZwölfTrainer seit 2017 – das ist kein Personalproblem, das ist System. Jedes halbe Jahr neues Gesicht, neue Sprüche, alte Fehler.

Am Montag trainiert Wagner mit der Resttruppe. Kein Konzept, nur Notprogramm. Die Sonne, die Kwasniok genießen will, scheint über Köln-Müngersdorf. Im Stadion herrscht nächstes Gewitter. Wer hält dem FC die Blitzableitung, bevor der nächste Schlag einschlägt?