Kwasniok platzt der kragen: „var geht mir auf den sack“
Lukas Kwasniok hat bei der Pressekonferenz nicht einmal fünf Sekunden gewartet. Die erste Frage war noch nicht zu Ende, da knallte es schon: „Das geht mir einfach auf den Sack und das meine ich genauso klar, wie ich es sage.“ Der 1. FC Köln hatte 1:1 beim Hamburger SV gespielt, doch der Trainer interessierte sich null für den Punktgewinn. Er redete über Kristoffer Lund, über William Mikelbrencis, über Schiedsrichter Tobias Welz – und vor allem über den Video-Assistenten, der einfach nicht eingriff.
Die szene, die kwasniok rasend macht
Minute 27 in der Volksparkstadion. Lund sprintet an der linken Außenbahn, Mikelbrencis kommt von hinten, rempelnd, anschließend trifft die Sohle die Achillessehne des Kölners. Lund fliegt, der Ball rollt ins Toraus, Welz pfeift nicht, der VAR guckt sich die Bilder an und schaltet sich trotzdem nicht ein. Für Kwasniok ein Déjà-vous: Vor sieben Tagen hatte Jahmai Simpson-Pusey gegen den BVB für eine ähnliche Attacke Rot gesehen – nach VAR-Review. „Gestern war es plötzlich kein Foul, letzte Woche schon. Wo ist die Logik?“, fragt der Coach und schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch.
Die Zahlen sprechen für sich: Seit Einführung des VAR 2019 kassierte Köln bereits neun Rote Karten nach Videobeweis, mehr als jedes andere Bundesliga-Team. Gleichzeitig wurde in 42 vergleichbaren Szenen zugunsten des FC nicht einmal nachgelegt. „Wir fühlen uns einfach nur verarscht“, sagt ein Vereinsangestellter, der anonym bleiben will. Auch Kwasniok will die Statistik nicht mehr hören. „Ich will weder vergangene Woche beim Jahmai, dass es eine Rote Karte ist, noch heute bei Mikelbrencis“, sagt er. „Ich will einfach nur Konsistenz.“

Der var hat ein glaubwürdigkeitsproblem
Die Liga schwurbelt seit Monaten von „Prozessstandards“ und „Schrittfolge-Kriterien“, doch wer die Videos mehrtägig analysiert, erkennt: Die Jury in Köln sitzt, die Jury in Hamburg nicht – und keiner erklärt warum. Das zerstört Vertrauen. „Wenn selbst die Experten im TV ratlos sind, wie soll sich dann ein Spieler noch fühlen?“, fragt Kwasniog. Die Antwort liegt in der Kabine: Dort herrscht laut Star-Verteidiger Jeff Chabot „pure Frustration“. Man rede nicht mehr von Fußball, sondern von Pixeln, Winkeln, Interpretationsspielräumen.
Der 44-Jährige schluckt einmal, dann kommt der Satz, der die Liga in den nächsten Tage begleiten wird: „Ich will es auch mittlerweile nicht mehr verstehen.“ Das klingt nach Resignation, ist aber ein Warnschuss. Denn wenn selbst ein Lehrbuch-Verteidiger der Schiedsrichter-Argumente – Kwasniok war selbst 14 Jahre auf Bundesliga-Niveau aktiv – die Geduld verliert, steht die ganze Technik auf dem Prüfstand. Die DFL wird die Audios der VAR-Entscheidung veröffentlichen müssen, spätestens nach dieser Woche. Sonnabend, 15. März, 11:04 Uhr – das war nicht nur der Zeitpunkt der Pressekonferenz, sondern auch der Moment, in dem die Saison für Köln emotional kippte.
Am Ende bleibt ein Punkt, aber ein verbrannter. Die Europacup-Träume sind kleiner geworden, die Wut größer. Und Kwasniok? Der steht vor den Kameras, atmet tief durch und sagt: „Wenn wir so weitermachen, brauchen wir keinen VAR mehr, sondern einen Würfel.“ Dann dreht er sich um und verschwindet in Richtung Kabine. Die Tür fällt ins Schloss – knallhart wie die Entscheidung, die ihn eben noch mehr auf die Palme brachte als jedes Tor, das sein Team je kassiert hat.
