Kuzminas abschied mit tranengas: 49. platz in oslo lässt olympia-heldin zweifeln

Anastasiya Kuzmina stellte sich am Sonntag in Oslo noch einmal vor das Fernrohr, aber das Ziel war schon verschwunden. 49. in der Verfolgung, 4:11 Minuten hinter Hanna Öberg – das ist kein Abschied mit Goldregen, sondern mit Tranengas.

Die slowakin zögert, die worte sind länger als ihre rundenzeit

„Das ist das Ende. Das ist das Ende der Saison 25/26“, schrieb Kuzmina auf Instagram und spülte 20 Jahre Leistungssport in zwei Sätzen hinunter. Kein „Danke“, kein „Ich liebe euch“, nur ein „Kein schönes Ende, aber ein Hauptgrund, über das Weitermachen nachzudenken.“ Die 41-Jährige lässt die Tür einen Spalt breit offen, doch wer sie beim Saisonfinale sah, merkte: Die Beine haben schon abgestimmt.

Kurz vor 7 Uhr Ortszeit in Oslo ging sie auf die 10 km-Strecke, die sie 2006 in Oberhof das erste Mal bezwang. Damals war sie 21, heute ist ihre älteste Tochter fast so alt wie sie bei ihrem Weltcup-Debüt. Kuzminas Schießzeit lag bei 3:06 Minuten – zwei Fehlserien, 200 Meter Strafrunde. Die Zahl, die zählt, steht in der Gesamtwertung: Platz 65, das schlechteste Ergebnis ihrer 18 Karrierejahre.

Die bilanz: drei olympia-golds, 16 weltcup-siege, ein offener schlusspunkt

Die bilanz: drei olympia-golds, 16 weltcup-siege, ein offener schlusspunkt

Vancouver 2010, Sotschi 2014, Pyeongchang 2018 – drei Spiele, drei Golds, alle im Sprint oder Massenstart. Dazu WM-Gold 2019 in Östersund. Die Trophäen stehen in der Vitrine, aber die Frage steht im Raum: Wer geht auf 4:11 Rückstand noch einmal an den Start? Kuzminas Antwort: „Ich komme nicht nur zurück, um die Fans zu begrüßen“, hatte sie 2023 gesagt. Nun wirkt ihre eigene Ankündigung wie ein Fremdwort.

Der Biathlon verabschiedet sich gerade mit Vorliebe von seinen Ikonen. Franziska Preuß beendet nach 2026, Lisa Hauser und Dorothea Wierer sind schon weg, Juliane Frühwirt legte ebenfalls die Büchse an den Nagel. Kuzmina könnte die nächste sein, die nur noch mit dem Gewehr posiert, nicht mehr damit trifft.

Am Holmenkollen stand sie nach 30 Schüssen und 49 Plätzen lange am Zaun. Kein Sponsor wartete, kein Reporter stellte mehr Fragen. Die Fans klatschten höflich, aber leise. Wer einmal Gold schoss, erkennt das Echo von Bronze-Plastik. Kuzmina wird es erkannt haben. Ihre Instagram-Story endet mit einem Bild: sie blickt über den Fjord, das Gewehr liegt quer im Kofferraum. Kein Hashtag, kein „See you next season“. Nur das Datum: 23. März 2026. Mehr muss sie nicht sagen.