Kurányi kritisiert nagelsmann: „keine gefallen getan“!

Stuttgart – Kevin Kurányi, ehemaliger Nationalstürmer und heutiger Berater junger Talente, hat im exklusiven Sport1-Interview deutliche Worte zur aktuellen Situation im deutschen Fußball gefunden. Im Fokus: Die Rolle von Deniz Undav und die Entscheidungen Bundestrainer Julian Nagelsmanns. Der 44-Jährige hält sich selten an lange Interviews, doch für Sport1 machte er eine Ausnahme und gewährte Einblicke in seine Gedankenwelt.

Die undav-debatte: was steckt wirklich dahinter?

Die Frage, warum Deniz Undav trotz herausragender Leistungen in seinem Verein kaum berücksichtigt wird, beschäftigt nicht nur die Fans. Kurányi zeigt wenig Verständnis für diese Entscheidung. „Deniz ist ein unglaublich guter Junge, ein starker Charakter und eine starke Persönlichkeit – aber vor allem ein sehr guter Mensch“, betont er. „Er hat konstant Leistung gebracht, Tore geschossen und war extrem wichtig für seinen Klub. Er hat sich die Nationalmannschaft absolut verdient.“ Der frühere Top-Stürmer hinterfragt, ob Nagelsmann hier die richtigen Prioritäten setzt.

Es gab unglückliche Interviews auf beiden Seiten, so Kurányi. „Da hat sich Julian Nagelsmann keinen Gefallen getan“, sagt er offen. Die späte Entschuldigung des Bundestrainers wertet er als Zeichen von Größe. Wichtig sei, dass man solche Differenzen schnell klärt – im Sinne des DFB.

Talent, beratung und die entwicklung von spielern

Talent, beratung und die entwicklung von spielern

Kurányi, der heute Talente berät, vergleicht seine aktuelle Aufgabe mit seiner Zeit als aktiver Spieler. „Nach meiner Fußballkarriere habe ich mir bewusst Gedanken gemacht, wie es weitergeht. Ich wollte im Fußball bleiben und etwas zurückgeben“, erklärt er. „So ist die Idee entstanden, ins Sportmanagement zu gehen. Ich versuche, Talente früh zu entdecken und sie nicht nur sportlich, sondern auch menschlich in den Profibereich zu begleiten.“ Er erinnert an Matheus Cunha, der in Leipzig Schwierigkeiten hatte, aber unter seiner Beraterführung in Berlin aufblühte und nun bei Manchester United spielt. „Talent ist wichtig, aber entscheidend ist, dass man es richtig entwickelt und den passenden Verein findet.“

Die schatten der vergangenheit: stadionflucht und ballack-streit

Die schatten der vergangenheit: stadionflucht und ballack-streit

Kurányi scheut sich nicht, über seine eigene Vergangenheit zu sprechen. Er erinnert sich an seine Stadionflucht unter Jogi Löw und den hitzigen Streit mit Michael Ballack unter Jürgen Klinsmann. „Da ging es richtig zur Sache“, gesteht er. „Ich habe meine Meinung klar vertreten, und das hat natürlich Wellen geschlagen. Wichtig ist: Solche Dinge musst du schnell klären, sonst werden sie größer, als sie sind.“ Diese Erfahrungen haben ihn geprägt und lehren ihn, auch heute, als Berater, die Bedeutung von direkter Kommunikation und schnellen Lösungen.

Die wm-hoffnung und die zukunft des dfb-sturms

„Im Moment ganz klar: ja“, antwortet Kurányi auf die Frage, ob Deniz Undav Deutschlands bester Stürmer ist. Er sieht in ihm, in Woltemade und Havertz ein starkes Trio für die WM. Vor Jahren wurden zu wenig klassische Stürmer gefördert, so Kurányi. Diese Phase der „falschen Neun“ habe die Entwicklung des klassischen Mittelstürmers beeinträchtigt. Jetzt gilt es, gezielt in diese Richtung zu arbeiten. Die deutsche Nationalmannschaft hat ihre Chancen bei der WM – wenn sich das Team findet und die besten Spieler spielen.

Als krönender Abschluss seiner Karriere betrachtet Kurányi seine Zeit bei den Klubs, die ihm am Herzen liegen: Dinamo, der VfB Stuttgart und Schalke 04. „Sie sind ein Teil von mir und ich liebe sie“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Dabei war es am Anfang nicht leicht auf Schalke.“