Schalke-notstand: drei ausfälle, ein befreiungsplan – ayhan soll katic retten

Die Geisterspiele gehen weiter. Drei Tage nach dem 1:1 in Fürth muss Schalke 04 am Freitag gegen Bielefeld schon wieder umbauen – diesmal mit dem Zeug zum Spätsommerdrama. Abwehrchef Nikola Katic sitzt Gelb-gesperrt in der Kabine, zwei Sechser fallen wochenlang aus, und Keeper Loris Karius trainiert noch immer einzeln. Die gute Nachricht: Mertcan Ayhan, 19, soll die Bresche schlagen. Der Dritte in der Reihe der jungen Helden, die diesen Verein am Leben halten.

Die verletungslawine trifft die achse

Finn Porath zog sich am Sonntag eine Oberschenkelblessur im Training zu – Saison-Aus nicht ausgeschlossen. Adrian Gantenbein erlitt einen Rückschlag und fällt „mehrere Spiele“ aus, wie der Klub am Mittwoch bestätigte. Dazu die Sperre von Katic, der gegen Futkeu sein fünftes Gelb kassierte. Drei defensive Leistungsträger weg, 48 Stunden vor dem nächsten Heimspiel. Miron Muslic klingt trotzdem wie ein Mann, der schon wieder ein As im Ärmel hat: „Wir müssen ständig improvisieren – das hat uns stark gemacht.“

Muslic’ Lösung heißt Ayhan. Der Defensivspieler war schon Timo Beckers Ersatz, nun rückt er ins Zentrum der Dreierkette. „Er hat in den letzten acht Monaten jede Minute verdient“, sagt der Trainer. Die Statistik gibt ihm recht: In zwölf Partien mit Ayhan von Anfang an holte Schalke 20 Punkte – 1,67 Punkte im Schnitt, ohne ihn nur 1,27. Die Zahl spricht für sich, auch wenn Ayhan selbst noch zittert: „Ich will einfach nur stabilisieren, nicht glänzen.“

Karius-zwischenspiel: müller bleibt vorerst die nummer eins

Karius-zwischenspiel: müller bleibt vorerst die nummer eins

Loris Karius fuhr mit nach Fürth, saß in einer Winterjacke auf der Bank und machte ein Gesicht wie ein Mann, der spürt, dass die Zeit gegen ihn arbeitet. Sein Rücken reagierte auf Belastung, das individuelle Programm wurde verlängert. Kevin Müller steht also am Freitag erneut zwischen den Pfosten – trotz des verpatzten Spielaufbaus, der zum Fürther Führungstor führte. Muslic hatte ihn öffentlich kritisiert, intern aber die Schuldigen suchenden Tonfall abgestellt. „Wir haben die Situation analysiert, die Mechanik korrigiert“, sagt der Coach. Klingt nach Schulhof, ist Profifußball: Fehler eingestehen, weiterarbeiten, keine Zeit für Reue.

Junge wilden warten, winterzugänge liefern

Junge wilden warten, winterzugänge liefern

Mika Wallentowitz und Zaid Tchibara trainieren fleißig, spielen aber kaum. Muslic nennt das „Entwicklungsprozess statt Matchday“, was nett klingt für: Sie sind gerade hinten angestellt. Stattdessen laufen Edin Dzeko, Moussa Ndiaye, Adil Aouchiche und Dejan Ljubicic zur Hochform auf – alle fünf Winter-Neuzugänge standen zuletzt gleichzeitig in der Startelf. Die Rotation funktioniert, weil die Neuzugänge liefern. Die Frage bleibt: Wie lange hält der Kader zusammen, wenn jede Woche ein neuer Ausfall folgt?

Schalke empfängt Bielefeld als Tabellenzweiter, aber mit dem Gefühl, dass jeder Punkt wie ein Sieg zählt. Muslic spart mit Pathos: „Wir sind nicht die Mannschaft, die jammern darf.“ Recht hat er. 18 Punkte aus den letzten neun Spielen – so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Krise ist Routine geworden, die Lösung heißt Ayhan, Müller und vielleicht wieder ein 19-Jähriger vom eigenen Hof. Wenn das kein Schalker Sommermärchen wird, weiß ich auch nicht.