Georg koch stirbt mit 54: der keeper, der stadien zum toben brachte
Er hatte nur noch ein halbes Jahr, sagten die Ärzte. Georg Koch hat drei Jahre gebraucht, um sich zu verabschieden – und Deutschland hat ihm dabei jeden Applaus gegeben, den er verdiente. Am Mittwoch verstarb der langjährige Bundesliga-Torwart einen Monat nach seinem 54. Geburtstag an den Folgen seines Bauchspeicheldrüsenkrebses.
Die Nachricht trifft die Fußball-Welt wie ein Faustschlag in die Magengrube. Nicht, weil sie überraschend kommt – Koch hatte seinen Kampf öffentlich gemacht, war auf große Abschiedstournee gegangen. Sondern weil mit ihm einer stirbt, der in jedem Stadion, in dem er stand, zum Publikumsliebling wurde, ohne jemals für die Nationalelf zu spielen.
Der durchbruch in düsseldorf
Mitte der 90er war das Rheinstadion sein Reich. „Georg ist die wahre Nummer 1“ – der Chöre wurden so laut, dass selbst Andreas Köpke und Oliver Reck nebenan lauschen konnten. Unter Trainer Aleksandar Ristic katapultierte der damals 23-Jährige die Altherrentruppe von Fortuna Düsseldorf mit spektakulären Paraden aus der drittklassigen Oberliga zurück in die Bundesliga.
Reflexe wie eine Katze, Sprungkraft wie ein Hochspringer – und ein Charakter, der Selbstbewusstsein ausstrahlte, ohne jemals in Angeberei zu kippen. Für viele war er der bessere Nationaltorwart, für Bundestrainer Berti Vogts reichte es nur zu einem Lehrgang. Verletzungen, ein missglückter Wechsel nach Eindhoven – die große Karriere blieb aus. Der Mythos nicht.

Stationen eines querdenkers
Koch spielte sich durch die Republik: Arminia Bielefeld, 1. FC Kaiserslautern (mit dem er 2001 das UEFA-Cup-Halbfinale erreichte), Energie Cottbus, MSV Duisburg. Fünf Aufstiege schaffte er in Deutschland, dann ging er nach Zagreb, wurde mit Dinamo Meister und Pokalsieger. Ein Böller-Explosion im Wiener Derby beendete 2009 seine Karriere – Knalltrauma, Gleichgewichtsprobleme, Ende.
Danach wurde er Torwarttrainer, blieb im Geschäft, das ihn nie losließ. Bis der Krebs kam. Und mit dem Krebs kam etwas, das ihn größer machte als jede Weltmeisterschaft: Die Fähigkeit, sich selbst nicht mehr ernst zu nehmen, aber seinen Mitmenschen Trost zu spenden.
Ein letztes mal stadionluft
Beim Benefizturnier im Rhein-Sieg-Kreis, das er für krebskranke Kinder initiierte, stand er noch einmal zwischen den Pfosten. Die alten Kumpels von der Düsseldorfer Punk-Band schenkten ihm ein Shirt: „Bis zum bitteren Ende“. Das war kein Spruch, das war ein Lebensentwurf.
Georg Koch war kein Nationalheld. Er war etwas Besseres: Ein Typ, der in jeder Stadt Spuren hinterließ. Der in Zagreb noch heute als Legende gilt. Der in Düsseldorf noch immer mehr Applause bekommt als mancher aktuelle Nationalspieler. Der bewies, dass man keine 100 Länderspiele braucht, um unsterblich zu werden.
Die Stadien sind heute stiller. Aber irgendwo zwischen Düsseldorf und Zagreb klingt noch immer ein Echo: „Schorsch! Schorsch! Schorsch!“
