Hase/volodin krönen sich in prag: berliner eiskunstlauf-duo holt historisches wm-gold

58 Sekunden reichen. In dieser kurzen Zeit verwandelten sich Minerva Hase und Nikita Volodin vom Olympiabranca-Gewinner zum deutschen Traumpaar auf Eis. Die Berliner sichern sich in Prag den ersten WM-Titel für Deutschland seit acht Jahren – und das mit einer Kür, die selbst kleine Patzer verzeiht.

Der Scoreboard springt auf 228,33 Punkte. Die Halle explodiert. Fünf Wochen nach Bronze in Mailand legen Hase/Volodin noch eine Schippe drauf und lassen selbst die georgischen Europameister Metelkina/Berulawa (218,41) hinter sich. Kanadas Pereira/Michaud werden Dritte (216,09). Für Deutschland ist das Gold ein Schlag ins Wasser: der erste Paarlauf-Weltmeister seit Aljona Savchenko und Bruno Massot 2018.

Die kür war kein feuerwerk, aber ein statement

Kein Sprung landet perfekt, eine Ausstellung wirkt leicht angezählt – doch die Line fürs Publikum stimmt. Hase packt die Hände vor die Brust, Volodin stemmt die Faust in die Luft. Der Vorsprung von 0,33 aus dem Kurzprogramm rettet den Titel. „Unsere beste Verbindung zueinander“, sagt Hase danach, „das spürt man auf dem Eis.“

Die Japaner Miura/Kihara, Olympiasieger von 2026, fehlen – lange Saison, kurze Pause. Doch das Duo aus Hohenschönhausen nutzt die Lücke konsequent. Dreieinhalb Jahre nach ihrer Paarbildung stehen sie nun mit kompletter Medaillensammlung da: Bronze 2024, Silber 2025, Gold 2026.

Die frage nach dem aus bleibt offen

Die frage nach dem aus bleibt offen

Nach dem letzten Tanz schweben sie über das Eis, danach nur noch eins: Schweigen. Ob es die letzte gemeinsame Saison war, wollen sie nicht sagen. „Wir setzen uns hin, reden, entscheiden“, sagt Hase knapp. Der Vertrag mit dem Sportforum Berlin läuft aus, Sponsoren schauen auf Zahlen. Die Goldmedaille wiegt 17 Gramm – der Druck danach oft tonnenschwer.

Annika Hocke und Robert Kunkel rutschen als zweites deutsches Paar auf Rang sieben (194,11). Für sie ist die Saison ein Schritt nach vorn, für Hase/Volodin vielleicht der letzte.

23.26 Uhr Ortszeit, Prager O2-Arena. Die Hymne ertönt, die Fahne geht hoch. Ein Moment, der in die Chronik des deutschen Eissports einrastet – und der beweist: Wer in Berlin trainiert, kann die Welt bezwingen.