Frankenderby-showdown: fürth kämpft um die wurst, nürnberg genießt die aussicht
Die Luft knistert vor Spannung – oder eben doch nicht? Das 276. Frankenderby zwischen Fürth und Nürnberg steht an, und die Rollenverteilung könnte nicht deutlicher sein. Während die Kleeblätter verzweifelt um den Klassenerhalt kämpfen, können die Nürnberger relativ entspannt in die verbleibenden Spiele blicken. Eine Situation, die schon einmal vor vier Jahren Realität war – damals allerdings mit umgekehrten Vorzeichen.
Ein déjà-vu mit bitterem nachgeschmack
Wer an das Derby im Juni 2020 zurückdenkt, erinnert sich an einen Tag voller Dramatik und unerwarteter Wendungen. Fürth reiste damals als komfortable Mannschaft in die Frankenmetropole, während Nürnberg in akuter Abstiegsgefahr schwebte. Doch was an jenem 13. Juni völlig aus dem Rahmen fiel, war die beängstigende Stille im Max-Morlock-Stadion – ein Effekt der gerade beginnenden Corona-Pandemie.
Und dann kam Raum: Ausgerechnet David Raum, Fürther Eigengewächs und gebürtiger Nürnberger, besiegelte den Sieg für das Kleeblatt mit einem Kopfballtor in der 56. Minute. Eine Niederlage, die für den 1. FC Nürnberg nicht nur schmerzhaft, sondern auch fatal war. Denn tags darauf schickte der Karlsruher SC den Club durch einen 2:1-Sieg gegen Stuttgart in die Relegation.
Die Folgen waren verheerend. Der Abstiegskampf ging weiter, und gegen Ingolstadt 04 stand der Club nur knapp den Aufstieg in die Drittklassigkeit ab. Ein Kapitel, das die Fans des Clubs noch heute schmerzt. Die Erinnerung an Raum’s Tor ist somit untrennbar mit diesem bitteren Kapitel verbunden.

Die karten sind neu gemischt
Dieses Mal dreht sich die Welt jedoch anders. Das Spiel findet in Fürth statt, und die Ausgangslage ist komplett umgekehrt. Die Fürther sind nun selbst in der Bringschuld und kämpfen um ihre Existenz in der 2. Bundesliga. Der Club kann hingegen befreit aufspielen und den kurzen Weg Richtung Westen genießen. „Wir wollen unseren Fans den Sieg schenken“, verkündet Trainer Rafael Lubach, dessen Tor gegen Magdeburg die Hoffnung auf eine bessere Saison neu entfacht hat.
Doch die Mission Klassenerhalt ist alles andere als einfach. Am kommenden Wochenende gastiert Fürth bei Hertha BSC, gegen die sie in der 2. Liga bisher ohne Punkt und Tor geblieben sind. Und am letzten Spieltag empfängt man Fortuna Düsseldorf, die aktuell den rettenden Nicht-Abstiegsplatz belegen. Der Druck liegt klar auf den Schultern der Kleeblätter.
Obwohl zwei Jahre vergangen sind und sich die Kader verändert haben, gibt es immer noch einige bekannte Gesichter. Branimir Hrgota wird Fürth als Kapitän aufs Feld führen, während Julian Green vermutlich nur auf der Bank schmorren muss. Bei Nürnberg kann sich lediglich Christian Mathenia an die Ereignisse von 2020 erinnern.
Die Stunde der Wahrheit ist gekommen: Kann Fürth die Vergangenheit vergessen und im Derby den entscheidenden Schritt zum Klassenerhalt machen? Oder wird Nürnberg die Chance nutzen, um den Lokalrivalen ein weiteres Mal die Quittung zu präsentieren? Das Frankenderby verspricht – unabhängig vom Ausgang – ein Spektakel zu werden, das in die Annalen des fränkischen Fußballs eingehen wird. Denn eines ist klar: Der Sieg in diesem Derby kann für Fürth den Unterschied zwischen Zweitliga-Luft und Drittliga-Tristesse bedeuten.
