Wuppertaler sv stoppt freien fall – lotte droht das nächste endspiel

0:0 in Rödinghausen, drei Niederlagen gestoppt, Luft geholt – und schon geht’s ums nackte Überleben. Am Samstag empfängt der Wuppertaler SV die Sportfreunde Lotte. Für beide droht bei einer Niederlage der Abstieg zur Vorentscheidung.

Mike wunderlich zieht die notbremse – und muss weitermachen

Der Trainer spricht vom „Minimalziel“, doch die Zahlen sind brutaler: erst vier Mal in 29 Spielen ohne Gegentor, erst drei Punkte aus den letzten fünf Partien. Die Latte traf Dildar Atmaca, nicht das Netz – so dün ist die Gratwanderung. Wunderlich hat Gaetano Manno hinter sich gelassen, dafür vor sich eine Mannschaft, die sich in vier Tagen neu erfinden muss.

Semir Saric kehrt zurück, Noah Heim auch. Vincent Schaub hat seine Gelbsperre abgesessen. Das klingt nach Hoffnung, ist aber nur ein Kompromiss. Denn auf der Liste der Nicht-Berücksichtigten steht weiter Amin Bouzraa – Torschützenkönig der eigenen Truppe. Aldin Dervisevic, einst Abwehrchef, darf ebenfalls nicht mitspielen. Intern heißt es: „Taktische Frische vor gestandenen Namen.“ Eine harte Lektion für Profis, die sich gestern noch Stammspieler nannten.

Lotte kommt als retter im falschen film

Lotte kommt als retter im falschen film

Die Sportfreunde haben den Klassiker mitgebracht: 14 Punkte aus den letzten sieben Spielen, nur zwei Gegentore. Dazu einen Kevin Holzweiler, der in dieser Phase drei Mal traf – so viel wie Bouzraa in der kompletten Hinrunde. Wunderlich muss Lotte brechen, ohne sein eigenes Top-Talent aufzubieten. Das ist keine Taktik, das ist Roulette.

Parallel reist Rödinghausen nach Köln. Fortuna wartet mit 65 Toren und dem besten Heimrekord der Liga. SVR-Trainer Lars Fleischer wird dort kaum etwas holen, weshalb der WSV nur gewinnen muss, um den Relegationsplatz zu verlassen. Die Rechnung ist simpel: drei Punkte, und der Punkt Abstand zu Rödinghausen wächst auf vier. Verliert Wuppertal, rutscht es auf Platz 17 – und Lotte zieht vorbei.

Am zoo-stadion zählt kein prognosemodell, sondern der 90-minuten-kampf

Am zoo-stadion zählt kein prognosemodell, sondern der 90-minuten-kampf

Die Fans haben 6.000 Tickets schon digital in der Tasche, der Rest wird am Samstag an der Abendkasse verteilt. Die Geschäftsstelle meldet „Zoo-Rausch“, was angesichts der Tabelle fast zynisch klingt. Doch genau dort liegt der Hebel: Wuppertal braucht ein Stadion, das den Gegner erstickt, nicht den eigenen Spieler.

Die Statistik? Vergiss sie. In den letzten fünf Duellen mit Lotte gab es vier Remis. Das nützt nichts, wenn am Ende nur der 16. Platz zählt. Wunderlich wird seine Startelf erst 45 Minuten vor Anpfiff bekannt geben – nicht aus Taktik, sondern weil er selbst nicht weiß, wessen Beine noch mitspielen. So lebt der Sport, so stirbt er manchmal.

Um 16 Uhr ist Schluss, dann steht der WSV entweder auf Platz 15 oder 17. Kein Mittelmaß, keine Reue. Entscheidung im Zoo – mit oder ohne Bouzraa, mit oder ohne Plan B. Aber mit dem Wissen: Nach Lotte kommen noch drei Auswärtsspiele in Folge. Wer jetzt stolpert, fällt tief.