Wollitz zerreißt sein team nach dem 0:0 – aachen wird zur zerreißprobe
Claus-Dieter Wollitz hasste sein eigenes 0:0. Er hasste die Passivität, die mangelnde Laufintensität, das fehlende letzte Drittel – und er hasste vor allem die Frage, ob er enttäuscht sei. „Ich erkläre hier Fakten“, schnitt er einer Reporterin das Wort ab, „nicht Gefühlskino.“
Energie Cottbus reist nach Aachen, aber die Unbesiegbarkeit von zehn Spielen wirkt wie ein altes Trikot: statistisch sauber, optisch zerrissen. Drei Spieler stehen mit Fragezeichen, ein vierter fällt komplett aus – und der Trainer zweifelt öffentlich an seiner eigenen Aufstellung.
Tolga cigerci: ein einsatz, der jetzt wie voodoo wirkt
Die Muskelverletzung des 33-Jährigen ist ein Kleinkrieg im Körper, aber ein Großkampf im Kopf. „Kleiner Faserriss“, bestätigt Wollitz, „ drei, vier Wochen – je nachdem, wen man fragt.“ Er hatte Cigerci gegen Hansa Rostock von Anfang an auflaufen lassen, obwohl dessen Trainingsfrequenz seit Wochen auf Sparflamme lief. „Gegen meine eigene Überzeugung“, gibt er zu. Die Konsequenz: Cottbus verliert nicht nur einen Sechser, sondern auch ein Stück Selbstvertrauen.
Der Ersatzmann Lukas Michelbrink flog in der Nachspielzeit vom Platz. Dominik Pelivan droht mit Schmerztabletten-Schnellreparatur, King Manu meldete sich krank ab. Die Sechser-Position gleicht einem Escape-Room mit offenem Dach – und niemand findet den Schlüssel.

Wollitz‘ wutrede: die intensitätslücke ist keine metapher
„Wir hatten 83 Ballgewinne, aber nur 37 % Laufduellen gewonnen“, zählt der Coach auf. Die Zahlen sind sein Ventil. „Intensive Läufe“ fehlten, „Sprintmeter“ fehlten, „Wiederholungsintensität“ fehlte. Justin Butler und Merveille Biankadi? „Ein Stück zu wenig“, sagt er und schiebt nach: „Fakt, keine Kritik.“
Die Wahrheit, die Wollitz fordert, sieht aus wie ein Spiegel: Alemannia Aachen ist seit drei Heimspielen ungeschlagen, kassierte dabei nur ein Gegentor. Cottbus muss seine Unbesiegbarkeit mit einem halben Kader verteidigen – und mit einem Trainer, der sich selbst in Frage stellt.
Am Freitag, 19.30 Uhr, wird der Tivoli ein Glutofen. Die Frage ist nicht, ob Cottbus die Tabellenführung verteidigt, sondern ob sie überhaupt noch zehn fitte Beine mitbringen. Die Antwort lautet: vielleicht. Und vielleicht reicht das nicht.
