Tuchel fordert änderung: fotografen-chaos trübt wm-debüt

Ein emotionales, aber auch frustriertes Debüt erlebte Thomas Tuchel als englischer Nationaltrainer. Während der Triumph gegen Kroatien (4:2) zweifellos Freude bereitet, offenbarte der Deutsche nach dem Spiel einen erheblichen Kritikpunkt am Rahmenprogramm der FIFA – und zwar direkt gegenüber dem Weltverband.

Ein moment, der zur qual wurde

Ein moment, der zur qual wurde

Tuchel, der sich in einer bemerkenswerten Karriere vom Jugendcoach des VfB Stuttgart bis zum Teamchef Englands hocharbeitet hat, schilderte einen denkwürdigen Moment, der ihm die Genuss der WM-Premiere etwas verdarb. „Es war heute ein ganz, ganz besonderer Moment“, gestand er. „Aber ich stand einen halben Meter vor einer Wand aus 50 Fotografen und konnte keinen einzigen meiner Spieler sehen.“ Die Vorstellung, den ersten offiziellen Einsatz als englischer Teamchef unter solch widrigen Umständen zu erleben, hinterließ bei Tuchel einen bitteren Nachgeschmack. Er forderte daher umgehend eine Anpassung der Positionierung der Fotografen während der Nationalhymne.

Die FIFA steht nun vor der Aufgabe, Tuchels Anliegen ernst zu nehmen. Denn die Bilder, die die Emotionen der Spieler in diesen entscheidenden Momenten einfangen, sind ein zentraler Bestandteil der WM-Berichterstattung. Ein Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Fotografen und dem Erlebnis der Trainer und Spieler muss gefunden werden.

Trotz dieses unerfreulichen Zwischenfalls konnte Tuchel die Atmosphäre der Weltmeisterschaft in vollen Zügen genießen. „Als ich jung war und auch später, als ich mit dem Trainieren angefangen habe, war das viel zu groß, um auch nur davon zu träumen“, erklärte er sichtlich bewegt. Seine Erfolge als Coach – deutsche Meisterschaft mit Bayern München, DFB-Pokal mit Borussia Dortmund, Champions-League-Triumph und Klub-Weltmeistertitel mit Chelsea – kulminieren nun in der Leitung der englischen Nationalmannschaft. „Ich habe jetzt verstanden, was es bedeutet, Teil einer Weltmeisterschaft zu sein. Es ist einfach unglaublich.“

Die kommenden Spiele werden zeigen, ob Tuchel seine Forderung durchsetzen kann und ob die FIFA auf seine Kritik reagiert. Doch eines ist sicher: Der deutsche Trainer hat mit seiner offenen Kritik gezeigt, dass er sich nicht scheut, unbequeme Wahrheiten anzusprechen – zum Wohle des Fußballs.