Rocchi weigert sich: warum der schiedsrichter-chef vor gericht fehlt
Ein überraschender Schachzug im italienischen Fußballskandal: Gianluca Rocchi, der Chef der Schiedsrichter, wird morgen nicht vor dem Mailänder Staatsanwalt Maurizio Ascione erscheinen, um sich zu den Vorwürfen des Betrugs zu äußern. Im Gegensatz dazu wird sein Stellvertreter, Andrea Gervasoni, den Fragen der Ermittler Folge leisten – ein deutliches Zeichen dafür, wer sich in dieser Angelegenheit leichter tut.

Der entscheidende unterschied: die art der vorwürfe
Die Entscheidung beider Funktionäre ist kein Zufall, sondern spiegelt die Schwere der ihnen zur Last gelegten Taten wider. Während Gervasoni sich auf den spezifischen Fall des umstrittenen Elfmeter beim Spiel Salernitana gegen Modena konzentrieren muss – ein Moment, in dem er angeblich den Videoassistenten Nasca beeinflusst haben soll – sieht Rocchi sich mit weitaus gravierenderen Anschuldigungen konfrontiert. Ihm werden die Besetzungen von Andrea Colombo für Bologna-Inter und Daniele Doveri für das Rückspiel zwischen Inter und Milan vorgeworfen – Entscheidungen, die in der Fußballöffentlichkeit auf heftige Kritik gestoßen sind.
Rocchi befindet sich in einer deutlich schwierigeren Lage. Nicht nur, dass ihm weitreichende Verantwortung als Schiedsrichterchef zur Last gelegt wird, sondern auch die möglichen Vernehmungen des ehemaligen Schiedsrichters Pasquale De Meo könnten die Situation weiter erschweren. Sein Verhör würde sich zweifellos über ein erhebliches Zeitfenster erstrecken und eine umfassende Vorbereitung erfordern.
Sein Anwalt, Antonio D’Avirro, begründet Rocchis Weigerung mit der fehlenden Einsicht in die Ermittlungsakten: „Wir verfügen nicht über ausreichend Informationen, um Herrn Rocchi effektiv verteidigen zu können.“ Eine Erklärung, die man als strategischen Rückzug werten kann, um Zeit zu gewinnen und die Entwicklung des Verfahrens abzuwarten.
Gervasoni hingegen scheint sich auf den einen konkreten Vorfall einzulassen, während er in anderen Bereichen auf eine Aussage verzichten wird. Es bleibt abzuwarten, ob er sich darauf berufen wird, dass er an diesem 8. März 2025 und generell in der vergangenen Saison hauptsächlich Partien der 2. Bundesliga leitete, um seine Zeitliche Distanz zu den Vorwürfen zu betonen.
Die Entscheidung von Rocchi, sich der Befragung zu entziehen, wirft weitere Fragen auf und deutet auf eine komplexe und langwierige Angelegenheit hin, die den italienischen Fußball weiterhin beschäftigen wird. Ob diese Strategie aufgeht, wird die Zukunft zeigen – doch eines ist klar: Der Skandal um die Schiedsrichterbesetzungen ist noch lange nicht ausgestanden.
