Marokkanische wm-helden: heimweh im duell gegen die niederlande?

Ein surreales Szenario braut sich zusammen: Drei Schlüsselspieler Marokkos, Noussair Mazraoui, Anass Salah-Eddine und Sofyan Amrabat, wurden in den Niederlanden geboren und stehen nun im Sechzehntelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft in Monterrey/Mexiko ihrem Geburtsland gegenüber. Kann Trainer Mohamed Ouahbi seine Schützlinge emotional auf diesen außergewöhnlichen Moment vorbereiten?

Die bindung zur heimat: eine gratwanderung

Die WM in Mexiko-Stadt steht vor einer hochbrisanten Begegnung. Für Mazraoui, Salah-Eddine und Amrabat ist das Spiel gegen die Niederlande mehr als nur ein K.O.-Rundenmatch. Es ist eine Konfrontation mit ihrer Vergangenheit, mit dem Land, in dem sie ihre ersten Fußballschritte machten. Salah-Eddine beispielsweise trug sogar bis zur U21 das Trikot der niederländischen Nationalmannschaft. Eine Erfahrung, die sicherlich tiefe Spuren hinterlassen hat.

Doch Mohamed Ouahbi, selbst im Großraum Brüssel geboren, weiß um die Gratwanderung, der seine Spieler ausgesetzt sind. „Es ist ein sehr seltsames Gefühl, gegen ein Land zu spielen, das einem auch etwas gegeben hat“, so Ouahbi. Aber er ist zuversichtlich, dass seine Spieler den Kopf frei bekommen. „Sie sind in erster Linie Marokkaner und wollen mit Marokko gewinnen.“ Und das soll sie auch tun – mit Leidenschaft und Entschlossenheit.

Der Ex-Bayern-Profi Mazraoui, wie auch Salah-Eddine und Amrabat, durchlief die Jugendakademien namhafter niederländischer Vereine. Diese Ausbildung hat sie zweifellos geprägt, doch die Loyalität gilt nun Marokko. Ouahbi betont, dass seine Spieler „einen klaren Kopf“ haben und „sehr ruhig und gelassen“ agieren werden. Die Atmosphäre im marokkanischen Lager ist von Zuversicht geprägt. Man spürt den Glauben an die eigene Stärke und die Bereitschaft, alles für den Sieg zu geben.

Ouahbis erfahrung: ein vorbild für die spieler

Ouahbis erfahrung: ein vorbild für die spieler

Mohamed Ouahbi kann die emotionale Zerrissenheit seiner Spieler nachvollziehen. Als gebürtiger Brüsseler kennt er die Herausforderung, gegen ein Land anzutreten, das einen Teil seiner Identität ausmacht. „Belgien ist ein Land, das mir wichtig ist. Die einzigen Male, in denen ich sie nicht unterstützt habe, war, als sie gegen Marokko gespielt haben“, erklärt Ouahbi. Diese Worte sind ein starkes Zeichen der Solidarität und zeigen, dass der Trainer seine Spieler bestens versteht und in die Lage versetzen will, ihre privaten Gefühle auszublenden und sich voll und ganz auf das Teamziel zu konzentrieren. Es ist eine Lektion, die Mazraoui, Salah-Eddine und Amrabat hoffentlich verinnerlicht haben.

Die Partie am Dienstag (03:00 Uhr MESZ/MagentaTV) verspricht ein packendes Duell zu werden, das nicht nur sportlich, sondern auch emotional viel zu bieten hat. Wer wird die persönliche Gratwanderung meistern und den Weg ins Viertelfinale ebnen?