Kapverden schreien jubel: fußball-sensation in houston!

Tränen der Freude, ungläubiges Staunen und eine Geschichte, die in die Schulbücher einzieht: Die Qualifikation Kapverdes für die K.o.-Runde der WM hat eine kleine Nation in Ekstase versetzt. Nur zwei Journalisten waren Zeugen dieses historischen Moments in Houston – ein Bild, das für mehr als fünfhunderttausend Menschen im Atlantik sprach.

Ein wunderwerk der beharrlichkeit

Ein wunderwerk der beharrlichkeit

Eugenio Teixeira und Moises Sabino, die einzigen Chronisten Kapverdes vor Ort, erlebten eine Nacht, die sie wohl nie vergessen werden. Während Moises die Radiostimme des Triumphes war, dokumentierte Eugenio mit Stift und Kamera die aufregenden Szenen. Die Kosten für die Reise waren enorm, so dass nur fünf Journalisten aus Kap Verde überhaupt in die USA reisen konnten. Die restlichen Kollegen blieben in Tampa, Florida.

“Wenn uns der Verband nicht finanziell unterstützt hätte, wären wir hier nicht dabei gewesen”, erklärte Eugenio Teixeira mit leuchtenden Augen. “Aber es war Schicksal. In Amerika leben rund eine Million Kapverden – eine der größten Diasporagemeinden der Welt.” Die Unterstützung der Community vor Ort war immens und spiegelte die Verbundenheit zu ihrer Heimat wider.

Vozinha, der Kapitän der Nationalmannschaft, ist für die Kapverder ein Idol, ein Bezugspunkt. “Er ist seit 15 Jahren unser Kapitän,” so Teixeira, “ihr entdeckt ihn erst jetzt, aber seine Menschlichkeit ist uns seit Langem vertraut.” Die Leistung der Mannschaft, insbesondere im Spiel gegen Saudi-Arabien und angesichts der Niederlage Uruguays, hat die Welt überrascht und die kapverdische Bevölkerung in einen Freudentaumel versetzt.

Eugenio Teixeira blickt auf 38 Jahre journalistischer Arbeit zurück. „Vor etwa zehn Jahren sprach man kaum über Fußball. Es galt als eine Art unglücklicher Bruder der Politik und Chronik. Verantwortliche schenkten anderen Themen mehr Aufmerksamkeit, weil es schlichtweg nicht viel zu berichten gab – außer vielleicht über Kapverden, die in Portugal geboren wurden, wie Nani, der ehemalige United-Spieler. Bis 2013 hatte Kap Verde noch nie an der Afrikameisterschaft teilgenommen. Wir spielten unentschieden gegen Südafrika und Marokko und besiegten Angola. Plötzlich wurde Kap Verde zum Gesprächsthema, auch weil wir im Viertelfinale gegen Ghana einen starken Auftritt zeigten.“

Die Freude über die Teilnahme an der WM in den USA ist immens. “Wir sind ein Archipel aus zehn Inseln, verloren im Atlantik. Neun davon sind bewohnt, aber wir haben Millionen von Kapverdern auf der ganzen Welt. Eine Million allein in Amerika.” Diese Verbundenheit und der Stolz auf die eigene Nation machen die Sensation noch bedeutender.

Das kommende Spiel gegen Argentinien und Lionel Messi erscheint Teixeira „unfassbar“. “Wir werden erst in ein paar Monaten begreifen, was hier geschehen ist. Es ist der schönste Abend meines gesamten Berufslebens.” Ein sentimentaler Ausruf, der die überwältigende Freude und den historischen Wert dieses Moments für Kap Verde und seine Bevölkerung eindrücklich unterstreicht.