Südafrika: broos lobt team, sieht aber tempo-defizit

Johannesburg – Hugo Broos, der Trainer der südafrikanischen Nationalmannschaft, zeigte sich nach dem Ausscheiden im Sechzehntelfinale der WM gegen Kanada zwar stolz auf seine Mannschaft, machte aber deutlich, dass das benötigte Tempo und die Power für ein erfolgreiches Abschneiden bei einer Weltmeisterschaft noch fehlen.

Die bilanz: überraschung und ernüchterung

Die Niederlage gegen Kanada mit 0:1 wird von Broos im größeren Kontext als „Erfolg“ gewertet. „Wir sollten uns nicht zu sehr enttäuschen lassen. Was wir erreicht haben, ist gut, ich bin sehr stolz auf mein Team“, betonte der Coach. Tatsächlich hatte Südafrika die Erwartungen übertroffen, indem es nach 24 Jahren wieder die WM erreichte und erstmals die K.o.-Runde überstand – ein Erfolg, der lange nur Hoffnung war.

Es ist ein Fakt: Bei der WM 2010 war Südafrika als Gastgeber automatisch qualifiziert. Dieses Mal war der Weg hart umkämpft. Aber das Spiel gegen Kanada offenbarte eine deutliche Schwäche, die über die reine Technik hinausgeht.

Die psl-realität: ein sprung zu hoch?

Die psl-realität: ein sprung zu hoch?

„Fußball ist nicht nur Technik, Fußball ist auch Power und Tempo. Das ist die große Qualität von Kanada“, so Broos. Die Diskrepanz zwischen dem Niveau der südafrikanischen Premier Soccer League (PSL) und der Weltspitze wurde in der Partie deutlich. Die Lehre daraus ist klar: Südafrikanische Klubs müssen ihre Entwicklung beschleunigen und die Trainingsmethoden anpassen, um mit den internationalen Standards mithalten zu können. Die Tatsache, dass 19 der 26 Spieler im Kader bei PSL-Klubs unter Vertrag stehen – darunter acht bei den Spitzenklubs Mamelodi Sundowns und Orlando Pirates – unterstreicht diese Abhängigkeit. Die WM hat gezeigt: Der Sprung ist enorm.

Broos’ Analyse ist unerbittlich: „Das Niveau der WM ist zwei Stufen höher als in der PSL. Heute hat man gesehen, was uns fehlt und woran wir arbeiten müssen – woran vor allem die Klubs arbeiten müssen.“ Es ist eine Mahnung an die Verantwortlichen im südafrikanischen Fußball, die Investitionen in die Jugend und die Infrastruktur zu erhöhen, um langfristig wieder international konkurrenzfähig zu werden.

Die zukunft von hugo broos

Die zukunft von hugo broos

Zur Frage seiner eigenen Zukunft äußerte sich Broos zurückhaltend. Er schloss zwar eine weitere Zusammenarbeit nicht aus – „Ich stehe immer zur Verfügung, wenn Menschen einen Rat brauchen“ – betonte aber, dass diese WM wahrscheinlich seine letzte gewesen sei. Das ist ein Abschied mit Stil: Ein Trainer, der sein Team stolz gemacht hat, aber gleichzeitig die ehrliche Analyse wagte, wo es noch fehlt.