Lausanne klaut servette den matchpuck und träumt vom finaleinzug

Genf – 60 Minuten Lärm, drei Treffer, ein Matchpuck – und eine Stadt, die jubelt. Lausanne HC hat im fünften Playoff-Duell das Leman-Derby mit 3:2 für sich entschieden und Servette Genf die Luft abgedreht. Dreimal in dieser Serie gewinnt jetzt das Auswärtsteam. Das sagt alles über die Nervenstärke der Waadtländer und die Verwundbarkeit der Genfer.

Die nacht, in der fuchs und seine kollegen servette ertränkten

Jason Fuchs, 30 Jahre, 89 Playoff-Spiele, aber so einen Abend hat er selten erlebt. „Jedes Spiel ist ein Must-win, heute erst recht“, sagt er, noch ehe das Eis glänzt. Sein Tor zum 2:1 in der 48. Minute war kein Kunstschuss, sondern ein Statement: Wir kommen nicht mehr zurück nach Lausanne, um zu verlieren. Die Powerplay-Quote der Waadtländer steht bei 38,5 % in dieser Serie – ein Wert, der selbst NHL-Trainer neidisch macht.

Hinten hält Reto Berra die Pforte. 34 Schüsse, 32 Paraden. „Wir lassen ihn nicht im Stich“, sagt Fuchs, „aber wenn er uns braucht, ist er da.“ Genau das passierte in der 57. Minute, als Servette in Überzahl drückte und Berra die Scheibe mit dem Handschuh wegfegte wie einen lästigen Fliegen.

Genf fragt sich, wie die serie noch kippen kann

Genf fragt sich, wie die serie noch kippen kann

Tim Berni, Verteidiger mit NHL-Erfahrung, steht nackt vor der Kamera. „Wir hatten mehr Puckbesitz, mehr Scheiben aufs Tor, mehr Slot-Chancen – und trotzdem stehen wir mit leeren Händen da.“ Die Statistik bestätigt: 38:29 Torschüsse, 56 % Face-off-Gewinne, 1,98 erwartete Tore – und dennoch lag Servette nach 40 Minuten 1:2 zurück. Die Genfer haben in den letzten drei Spielen 13 Minuten und 42 Sekunden in Überzahl gespielt, kein einziges Tor erzielt. Das Powerplay ist ihr Grab geworden.

Coach Craig Woodcroft schlägt mit der Faust auf die Bande. „Wir kontrollieren das Spiel, verlieren aber in zwei Minuten die Köpfe.“ Gemeint ist die Phase zwischen der 32. und 34. Minute, in der Lausanne binnen 71 Sekunden zweimal trifft – und Servette die Seele aus dem Leib schießt.

Dienstag in der patinoire de malley: die stunde der wahrheit

Dienstag in der patinoire de malley: die stunde der wahrheit

Jetzt liegt der Matchball bei Lausanne. Ein Sieg, und das Finale ist zum Greifen nah. Die Tickets für Spiel 6 sind in zwei Stunden ausverkauft, die Fans planen schon die Busreise nach Davos oder Zug. Doch Fuchs warnt: „Servette hat nichts zu verlieren, das macht sie gefährlich.“ Die Geschichte der National League kennt genug 3:1-Kollaps. Die letzten beiden Male, als ein Auswärtsteam in Spiel 5 gewann, folgte im Sechsten ein Heim-Tiefschlag.

Die Wetterkarte spricht für Lausanne: 18 Grad, Sonne, kein Regen – perfekte Bedingungen für ein Fest. Aber Eishockey spielt nicht mit dem Thermometer, sondern mit Köpfen. Servette muss nun zweimal gewinnen, während Lausanne nur noch eine Arbeitsstunde braucht. Die Wahrscheinlichkeit, eine 3:1-Führung zu versiegen, liegt bei 12 % – das ist kein Trost, sondern ein Warnschuss.

Um 19:45 Uhr geht’s los. Dann entscheidet sich, ob Servette doch noch eine Saga schreibt – oder ob Lausanne den ersten Matchpuck in Genf nicht nur gesichert, sondern schon eingepackt hat. Die Scheibe liegt bereit. Die Stadt atmet. Und 10 000 Menschen wissen: Ein Tor kann alles verändern.