Dhb stellt aufarbeitung ein: experten werfen verband blockadehaltung vor
Die unabhängige Kommission ist Geschichte – und mit ihr jede Hoffnung auf Aufklärung. Der Deutsche Handballbund (DHB) hat die Arbeit der Expertengruppe zur Aufarbeitung von Machtmissbrauchs-Vorwürfen mit sofortiger Wirkung eingestellt. Die fünf renommierten Mitglieder schlagen zurück: Sie machen den Verband für das Scheitern verantwortlich.
„Rechtliche einschränkungen“ und mangelnde offenheit
In einer knappen, aber scharfen Stellungnahme kritisieren die ehemaligen Kommissionsmitglieder, dass der DHB einen Ausbau des Untersuchungsauftrags abgelehnt habe. „Es hätte uns ermöglicht, anhand konkreter Berichte problematische Strukturen im Handball zu beleuchten. Der DHB war dazu nicht bereit“, heißt es. Die Experten sprechen von „stark veränderten Bedingungen“, die nach dem gerichtlichen Vergleich mit dem beschuldigten Trainer im Juni 2025 auf sie zugekommen seien – nur noch allgemeine Präventionsempfehlungen, keine Einzelfallprüfung.
Der ursprüngliche Auftrag von Mai 2023 galt konkreten Vorwürfen gegen einen Frauen-Bundesligatrainer. Doch schon im Juli 2024 stoppte eine einstweilige Verfügung die Befragung von Zeugen. Die Kommission musste die Arbeit ruhen lassen. „Aufarbeitung braucht einen Raum für Betroffene, unterschiedliche Perspektiven und die Analyse struktureller Ursachen“, sagt die Gruppe. Genau das sei unter den neuen Spielregeln nicht mehr möglich.

Athleten deutschland: „rückschlag für alle, die sich eingesetzt haben“
Der Verein Athleten Deutschland reagiert mit deutlichen Worten: „Die eingestellte Aufarbeitung ist ein Rückschlag, besonders für diejenigen, die Zeit und Kraft investiert haben.“ Die Organisation fordert verlässliche Strukturen, die Betroffene ernst nehmen und schützen – statt sie allein zu lassen. Kritik übt auch die Kommission selbst: „Sportverbände brauchen klare Interventionswege und ein Recht auf Aufarbeitung, um Machtmissbrauch wirksam zu bekämpfen.“
Der DHB selbst hält sich bedeckt. Am Dienstag verkündete der Verband lediglich, es gebe keinen Abschlussbericht. Mehr nicht. Die Botschaft der Experten dagegen ist laut und klar: Ohne echte Bereitschaft zur Aufarbeitung bleibt der Handball ein geschlossener Raum, in dem Machtstrukturen unangetastet bleiben.
