102 Dänische teens feiern gidsel live in berlin – und lernen deutsche fans kennen

Sie rollten 550 Kilometer durch die Nacht, nur um Mathias Gidsel beim Abwurfpass zuzusehen. 102 Schülerinnen und Schüler der Herningsholm Erhvervsskole & Gymnasier rissen sich am Freitag die Nächte um, buchten zwei Reisebusse und landeten pünktlich zum Champions-League-Knaller der Füchse gegen Nantes in der Max-Schmeling-Halle. Der Plan: Sachsenhausen, East Side Gallery, Olympia-Stadion – und als Krönung ein Selfie mit dem besten Handballer der Welt.

Der moment, als gidsel auftauchte

Die dänische Flagge war kaum zu übersehen. Sekunden nach dem Anpfiff stand Thilde Tang Dalgaard, 16, auf der Tribune, zitterte fast so sehr wie beim Deutsch-Test. „Gidsel und Andersson sind bei uns riesig“, sagte sie und hielt die Kamera schon bereit. „So nah dran – das ist einfach wow!“ Ihre Freundin Anna Brødsgaard spielt selbst Rückraum-links, kennt jeden Schritt des Weltspielers aus Slow-Motion-Videos. Jetzt saß er drei Meter entfernt, zog die Bande runter, lächelte, winkte. „Ich hab gezittert wie ein Flatterband“, gab sie zu.

Organisator Mathias Braad, Lehrer und selbst ehemaliger Kreisläufer, hatte die Reise monatelang vorangetrieben. „In unserer Region ist Handball fast so groß wie Fußball“, sagte er, während neben ihm 102 Teenager mit Füchsen-Trommeln mitklatschten. „Wenn die Nationalmannschaft spielt, schalten 50 bis 60 Prozent der Leute ein.“ Die Berlin-Auswärtsfahrt war also keine Schulpflicht, sondern Kult.

Deutsche fans liefern crashkurs in verrücktheit

Deutsche fans liefern crashkurs in verrücktheit

Was die Dänen nicht erwarteten: die Lautstärke der deutschen Tribüne. „Bei uns klatschen die Leute höflich, trinken ein Bier, gehen heim“, sagte Braad. „Hier singen sie sich die Seele aus dem Leib, verkleiden sich als Füchse, schwenken Fahnen bis zum Zerreißen.“ Thilde lachte: „In Dänemark wäre das peinlich. Hier ist es normal, verrückt zu sein.“

Der Vergleich ist gar nicht so abwegig. In Herning ticken Uhren anders – dort stehen 5.000 Leute im Stadion, wenn Skjern gegen GOG spielt. In Berlin dröhnten 9.000 Kehlen, die Halle bebte, der Hallenbosart schwappte bis in die letzte Reihe. „Wir können noch was lernen“, räumt Braad ein. „Mehr Trommeln, mehr Gesänge, mehr Herzblut.“

Dopingkontrolle verzögert das große finale

Dopingkontrolle verzögert das große finale

Nach dem 34:29-Sieg hetzten die Füchse in die Kabine, die dänische Armee wartete schon auf den Laufsteg. Doch Lasse Andersson musste zur Dopingkontrolle, verschwand im Nirgendwo der Halle. Die Schüler verbarrikadierten sich mit Autogrammkarten und Handballschuhen am Ausgang, sangen sich heiser, aßen die letzten Gummibärchen. Nach 40 Minuten kam Gidsel, allein. Er lachte, umarmte jeden, schrieb auf T-Shirts, Handgelenke, sogar auf einen Stoff-Fuchs. „Mach weiter, verlier nie den Glauben“, sagte er zu Anna. Die Antwort: „Ich will wie du werden.“ Ein Foto für die Ewigkeit, dann rauschte der Star davon, Richtung Mannschaftsbus, Richtung nächstes Spiel.

Um 23:45 Uhr rollten die Busse Richtung Autobahn. 102 müde, glückliche Gesichter. Viele schliefen noch in Brandenburg ein, die Autogramme festgeklammert. Lehrer Braad summte dänische Kampflieder. „Das war keine Schulreise mehr“, sagt er. „Das war eine Pilgerfahrt.“

In zwei Wochen schauen sie wieder im Fernsehen, wenn Gidsel in Kiel aufläuft. Dann werden sie wissen, wie seine Schweißperle riecht, wie sich seine Stimme anhört, wenn er „Hej“ sagt. Und sie werden wissen, dass 550 Kilometer nichts sind, wenn man 16 ist und der Weltmeister vor einem steht. Die Nachtfahrt war lang. Die Geschichte, die sie mitnehmen, wird länger leben.