Ksc dreht spät gegen fürth – egloffs saison wohl gelaufen
Christian Eichner stand kurz vor Mitternacht in der Mixed Zone, die Stimme heiser vom Kommandieren, die Augen noch glänzend vom Sieg. In der Nachspielzeit schlug der Karlsruher SC zweimal zu, drehte das Spiel gegen Greuther Fürth und wähnte sich im Glück. Sekunden später erfuhr der Trainer, dass Lilian Egloff wieder auf Krücken steht.
Die Szene, die alles in Bewegung setzte, war ein typischer KSC-Moment: Dzenis Burnic verlor vor dem eigenen Strafraum den Ball, Jannik Dehm bedankte sich und legte für Noel Futkeu auf. Fünf Spielzeitminuten waren gespielt, 29 000 Zuschauer im Wildparkstadion hielten den Atem an. „Ein riesen Lapsus“, sagte Eichner. „Danach mussten wir erstmal wegstecken.“
Pedrosa trifft, egloff bricht ab
Der Ausgleich kam durch Rafael Pinto Pedrosa. Der 18-Jährige, seit elf Jahren in Karlsruhe, jagt den Ball aus 16 Metern ins linke Eck – sein erstes Profitor. Die Südkurve tobt, Egloff humpelt. In der 27. Minute bleibt der Mittelfeldspieler liegen, die Hand vors Gesicht geschlagen. Es ist dieselbe Sprunggelenk-Seite, die ihn bereits vier Monate lahm legte. Eichner: „Ich befürchte, dass man von einem Saison-Aus ausgehen muss.“
Ohne Egloff verflachte Karlsruhes Spiel zuletzt. Mit ihm hatte das Team nach sieben Spieltagen auf Aufstiegsplätzen gestanden, danach rutschte es ins Mittelfeld. Die Statistik ist gnadenlos: 2,1 Tore pro Spiel mit Egloff, 1,3 ohne ihn. Jetzt muss der KSC wieder ohne ihn auskommen.

Fukuda und schleusener nutzen die sekunden
Die Partie schien auf 1:1 zu enden. Dann, in der dritten Minute der Nachspielzeit, presst Shio Fukuda den Fürther Innenverteidiger, sprintet durch, schiebt ein. Vier Minuten später zieht Fabian Schleusener aus 20 Metern ab, der Ball saust ins Kreuzeck. 3:1. Die Bank explodiert, Eichner wirbelt herum, die Südkurve bebt.
Die Fans feiern sich selbst. 29 000 trotz Derby-Klatsche und Tabellenmittelmaß. „Die haben uns getragen“, sagt Eichner. „So eine Kulisse gibt dir immer eine zusätzliche Lunge.“
Die Mannschaft schwankt zwischen Ekstase und Sorge. „Wir wissen, dass wir Lilian verlieren“, sagt Kapitän Jérôme Gondorf. „Aber wir zeigen auch: Wir sind nicht nur elf, wir sind 25.“
Am Sonntag geht es nach Schalke. Drei Punkte dort, und der KSC kann wieder von vorn träumen. Lilian Egloff wird fehlen. Die Mannschaft will seinen Platz mit Läufen, Zweikämpfen und späten Toren füllen. Es ist ihre Art, Trauer in Tempo zu verwandeln.
