Kreuzbandriss, gala bei felipe, champions-league-knaller: merle frohms' wilde madrid-monate

Knapp vier Monate saß Merle Frohms zwischen Königspalast und Trainingsplatz fest. Dazwischen: ein Kreuzbandriss, ein Seitenwechsel – und ein Date mit dem spanischen König, der sie 24 Stunden vorher in „leichte Panik“ versetzte.

Die 31-Jährige ist zurück, fit, spanisch-lernend – und immer noch ohne Pflichtspiel-Einsatz seit dem 16. Oktober. Real Madrid zittert vor dem Viertelfinal-Hinspiel gegen Barcelona am Samstag. Frohms zittert nicht. Sie wartet.

Von wolfsburgs nummer 2 zu spaniens nummer 1 – und dann der schlag

Der Jobwechsel war ein Statement. Nach ihrer Degradierung beim VfL Wolfsburg und dem Rücktritt aus der Nationalmannschaft suchte Frohms das Abenteuer, nicht den Neuanfang in kleinen Schritten. Real legte 2028 auf den Tisch, sie unterschrieb. Vier Spiele stand sie im Tor, blieb zweimal ohne Gegentor, dann folgte Paris.

PSG, 2:1-Sieg, 75. Minute. Frohms rauscht aus dem Kasten, will klären, bekommt einen Schlag unter’s Knie. „Ich dachte: Weitermachen“, sagt sie. Ihr Bein dachte: Pause. Diagnose: hinteres Kreuzband gerissen. Keine OP, aber sechs Woche Schiene, drei Monate Reha. Die Königlichen verloren ihre Nummer 1 – und gewannen eine Zuschauerin mit Zugang zum Thron.

„Ich brauchte noch einen Friseur-Termin und ein Kleid“, erzählt Frohms. Drei Sätze später sitzt sie im Palacio Real de Madrid, trägt das neue Kleid, neben ihr Sara Däbritz, vor ihr König Felipe. „Netflix-Produktion“, lacht sie. Dreimal pro Woche sitzt sie danach im Klassenzimmer, büffelt Spanisch. Smalltalk klappt, Grammatik nervt. „Ich bin kein Sprachtalent“, sagt sie – und klingt, als würde sie trotzdem weitermachen.

Barça wartet – und mit ihnen die frage nach dem tor

Barça wartet – und mit ihnen die frage nach dem tor

Seit Januar ist Frohms voll belastbar. Trainer Alberto Toril lässt sie in den Einheiten springen, fallen, parieren. Noch hält er an Misa Rodríguez fest. Doch der FC Barcelona, Tabellenführer, Champions-League-Favorit, droht. Ein falsches Bein, ein verrutschter Ball – und plötzlich steht Frohms im Mittelpunkt eines Duells, das größer ist als jede Königsgala.

Die Spanierinnen haben Barças Vorherrschaft satt. 45 Ligaspiele ohne Niederlage, fünf Titel in Serie – das soll nicht ewig so weitergehen. „Es muss unser Ziel sein, Titel zu gewinnen. Das ist überfällig“, sagt Frohms. Sie spricht wie eine, die weiß, dass große Geschichten selten nach Drehbuch laufen. Ihre Geschichte auch nicht.

Am Samstag trifft Real im Estadio Alfredo Di Stéfano auf Barcelona. Frohms sitzt zunächst auf der Bank. Aber wenn der Schlag von Paris ihr einst das Knin wegtreten wollte, könnte der nächste Schlag – diesmal mit Handschuhen – ihr den Platz im Tor zurückgeben. Und vielleicht sogar die Krone im Land der Königinnen.