Kramer setzt auf hecking: der retter kommt mit kariertem hemd
Christoph Kramer würde seine letzten Euro darauf verwetten: Dieter Hecking bleibt nicht der ewige Notnagel – er wird den VfL Wolfsburg aus der roten Todeszone ziehen. Der Weltmeister sprach im Podcast COPA TS Klartext über seinen Ex-Coach, die zwielichtige Kaderqualität der Wölfe und die Macht eines alten Gürtels.
Der trainer mit feuerwehrmann-dna
Kramer kennt Heckings DNA, weil er sie drei Jahre lang unter der Lupe hatte. 63 Mal lief er für Gladbach auf, als der 61-Jährige das Zepter schwang. „Er macht nichts Besonderes, aber er packt dich emotional“, sagt Kramer. Das klingt simpel, ist aber in einer Liga, in der Spieler zweimal pro Woche neue Motivations-Apps hochladen, ein Superpower.
Die Zahlen sprechen für sich: Seit Heckings Amtsübernahme nach dem 0:3 gegen Freiburg schnitt Wolfsburg gegen Hoffenheim endlich wieder zwei Punkte ab. Kein Sieg, aber das erste Lebenszeichen nach drei Pleiten in Serie. Der Trend ist sein Freund – zumindest für 90 Minuten.

Der co-trainer, der wie ein erdkundelehrer wirkt
Neben Hecking schwärmt Kramer auch von Frank Geideck, Assistent und stiller Strippenzieher. „Der beste Co, den ich je hatte“, schickt er durch den Äther. Geideck, 58, steht für Taktik-Fetisch und Zahlen-Dschungel, während Hecking die Kabine mit Schulhof-Autorität räumt. Duett statt Ego – das kann in den letzten fünf Spieltagen den Unterschied bedeuten.
Der Blick auf die Tabelle ist dennoch ein Schocker: Platz 17, 20 Punkte, nur zwei mehr als der direkte Abstiegsrang. Die Ausgangslage erinnert an 2021, als die Wölfe sich in letzter Sekunde retteten. Damals war Kohfeldt der Held, heute soll Hecking der Feuerwehrmann sein – mit kariertem Hemd und Vater-Gürtel.

Kramer hätte mitgemacht – nur die geographie stimmte nicht
Der 35-jährige Ex-Sechser gibt zu, dass er selbst ins Trainerteam hätte springen können. „Ich hätte es gerne gemacht, aber Wolfsburg liegt nicht im Westen“, lacht er. Die Entscheidung war halbherzig, aber ehrlich. Denn am 31. Spieltag trifft Gladbach – genau der Klub, für den Kramer heute noch pundit-mäßig Partei ergreift – auf Heckings Truppe. Freundschaft pausiert, Punkte zählen.
Was bleibt, ist ein Vertrauensvorschuss aus der eigenen Spielergarde. Kein Analyst, kein Fan, sondern jemand, der Heckings Stimme noch im Ohr hat. Wenn ein Weltmeister wetten würde, dass der Retter mit retro-Gürtel und Rautenhemd die Wölfe aus der Roten Zone schleppt, dann ist das mehr als Fußball-Gerede – das ist ein Signal an die Kabine: Der Coach trägt die nötige Autorität schon in der Garderobe.
