Kramer räumt cuisance-irrtum ein: „dachte, er spielt mal um den weltfußballer mit“

Christoph Kramer hat sich eiskalt geirrt. Im „Copa TS“-Podcast packt der Weltmeister von 2014 aus und gesteht, dass er Michael Cuisance einst für einen künftigen Ballon-d’Or-Kandidaten hielt. Heute? Zweitliga-Spieler bei Hertha BSC. Die Geschichte ist ein Lehrstück darüber, wie schnell Talent und Realität auseinanderdriften können.

Die 2–3 kilo, die alles kaputtmachten

Kramer liefert sogar eine Erklärung für den Absturz. Nach der Glanz-Saison 2017/18, in der Cuisance trotz Joker-Rolle zum Spieler der Saison gewählt wurde, legte sich der Franzose ins Kraftraining. Er wollte mehr, schneller, explosiver werden. „Der hat bestimmt zwei, drei Kilo Muskelmasse aufgebaut“, sagt Kramer. Die Folge: Cuisance verlor seine verrückte Geschmeidigkeit, die Fans wie Mitspieler verzaubert hatte. Ein paar Gramm zu viel an der falschen Stelle – und schon wirft der Körperschwerpunkt das gesamte Spielverhalten über den Haufen.

Der Mittelfeldstratege schweift sogar ins Physiologische ab: „Dann hast du vielleicht einen anderen Körperschwerpunkt, das ist ein anderes Spiel.“ Für Außenstehende klingt das nach Marginalie. Im Hochleistungsfußball bedeutet es den Unterschied zwischen Champions-League-Kicker und Bankdrücker. Cuisance landete beim FC Bayern, war dort aber nur Episode, ehe er über Marseille, Venezia und Sampdoria bis nach Osnabrück durchstartete – abwärts.

Die lehre: ehrgeiz kann nach hinten losgehen

Die lehre: ehrgeiz kann nach hinten losgehen

Kramer macht keinen Hehl daraus, dass Cuisances Wille der Auslöser war. „Man kann ihm eigentlich nichts vorwerfen, weil er wollte, wollte, wollte.“ Doch genau dieser Überwille wurde zur Falle. Bei jungen Spielern reiche eine winzige Schraube, die sich verkeilt, um aus dem potenziellen Weltfußballer einen guten Zweitligaspieler zu machen. Die Geschichte endet nicht mit Happy End, sondern mit einer Feststellung: Cuisance ist 25, spielt in Berlin zweite Liga und sammelt Minuten, statt Trophäen.

Der 2014er-Weltmeister nimmt sich selbst nicht aus der Pflicht. „Ich habe mich bei zwei Spielern richtig doll vertan“, sagt er und nennt neben Cuisance auch Oscar Fraulo. Er liefert damit seltenes Selbstzeugnis: Selbst Profis, die Jahre im Zentrum der Bundesliga verbrachten, können kapitale Fehleinschätzungen liefern. Für Talente bedeutet das: Wer sich zu sehr verstellen will, riskiert, sich selbst zu verlieren.