Kramer räumt cuisance-irrtum ein: ‚ich tippte auf weltfußballer, jetzt spielt er in der 2. liga‘
2018 glaubte Christoph Kramer noch, dass Michaël Cuisance einmal um den Weltfußballer kandidieren würde. Fünf Jahre später kickt der Franzose für Hertha BSC in der Zweiten Liga – und der TV-Experte liefert die Erklärung für das Scheitern.
Der Weltmeister von 2014 schob seinem einstigen Teamkollegen bei Borussia Mönchengladbach in der „Copa TS“-Episode einen vermeintlichen Kraftkurs in die Schuhe. „Der hat bestimmt zwei, drei Kilo Muskelmasse aufgebaut. Aus Ehrgeiz. Und genau da hat er seine Geschmeidigkeit verspielt“, sagte Kramer. Der zusätzliche Körperschwerpunkt verwandelte den technisch versierten Gestalter in einen anderen Typen – und das sei „ein ganz anderer Spieler“ gewesen.
Cuisance’ meteor-start und der absturz
Die Zahlen sprechen für sich: In der Saison 2017/18 wurde Cuisance trotz sieben Joker-Einsätzen zum „Spieler der Saison“ der Fans gewählt. Seine Laufwege, diese fast schon tänzerische Art, das Spiel zu öffnen, ließen die Borussia-Anhänger jubeln. Doch schon im Winter 2019 zog es ihn zum FC Bayern – und damit begann die Odyssee durch europäische Mittelklasse-Klubs: Olympique Marseille, Venezia, Sampdoria, schließlich VfL Osnabrück. Keine Station hielt länger als ein Jahr, keine Bilanz konnte überzeugen.
Kramer sieht das Problem in einer einzigen, aber folgenschweren Fehlentscheidung: „Man kann ihm nichts vorwerfen, weil er wollte, wollte, wollte. Aber er machte das Falsche.“ Der Satz klingt hart, ist aber ein Beispiel für die Irrwege, die sich auch andere Talente in der Vergangenheit eingebrockt haben – von Ibrahim Afellay bis Mario Götze, wenn das körperliche Gleichgewicht ins Wanken gerät.

Warum auch experten sich verschätzen
Kramer liefert damit eine Lektion für Scouts und TV-Experten gleichermaßen: „Bei jungen Spielern reicht eine ganz, ganz kleine Kleinigkeit, damit zwischen Weltfußballer und gutem Zweitligaspieler alles drin ist.“ Die Aussage ist keine Ausrede, sondern ein Eingeständnis: Selbst Profis, die Jahre im gleichen Kader neben dem Talent trainieren, können die Zukunft nicht zuverlässig berechnen. Die Fußball-Welt dreht sich einfach zu schnell.
Cuisance selbst schweigt zu Kramers Theorie – zumindest öffentlich. Bei Hertha ist er Stammspieler, bringt aber in 29 Zweitliga-Partien nur zwei Torbeteiligungen zustande. Die Statistik bestätigt Kramers Urteil: Der 24-Jährige wirkt nicht mehr wie der frisch-freche Strukturgeber, sondern wie ein Mittelfeld-Akteur, der die Dynamik verloren hat.
Mit anderen Worten: Das Talent ist noch da, aber die Magie fehlt. Und Kramer? Der zieht seinen Hut, gibt offen zu, daneben gelegen zu haben – und liefert damit eine Geschichte, wie sie der Fußball jeden Tag schreibt: mal kurz, mal schmerzhaft, meist mit einem Happyend für jemand anderen.
