Nach 13 jahren kehrt niko mindegia zurück – und bidasoa traut sich was

13 Jahre lang war Niko Mindegia auf kroatischen, polnischen, dänischen und französischen Handballparketts unterwegs. Nun, mit 37, packt er den Koffer wieder aus – nicht in irgendeiner spanischen Provinz, sondern genau dort, wo seine Karriere einst begann: im Baskenland. Bidasoa Irun holt den Routinier für die neue Saison, und das ist kein Altersgag, sondern ein klarer Plan.

Mindegia liefert keine rente, sondern eine antwort

Die Asobal ist kein Schongang. Tempo, Druck, Abwehrreihen, die einen zerfleischen. Doch genau das will Mindegia. „Ich fühle mich körperlich gut“, sagte er nach der Unterschrift – und meinte damit: Er weiß, dass Bidasoa in der European League kreuzigt und in der Liga um jeden Punkt kämpft. Ein Club, der sich selbst als „Projekt“ bezeichnet, braucht keinen Rentner, sondern einen Mittelmann, der in Kolding gegen 6:0-Pressing noch die richtige Lücke findet.

Die Zahlen sprechen für sich: 176 Länderspiele, EM-Silber 2016, zwei Champions-League-Halbfinale mit Pick Szeged, unzählige Final-Four-Turniere. Aber die wirkliche Währung heißt Erfahrung gegen deutsche Zweikampfstärke, gegen nordische Schlagzahl, gegen französisches Taktik-Kauderwelsch. Genau diese Mischung bringt er mit – und genau die fehlte Irun in der abgelaufenen Spielzeit, als man in der Gruppenphase der European League drei Mal in den letzten zehn Sekunden auswich.

Julen aginagalde steckt hinter dem transfer – und weiß, was er tut

Julen aginagalde steckt hinter dem transfer – und weiß, was er tut

Wer anders als der heutige Sportdirektor von Bidasoa könnte besser wissen, wie Mindegia tickt? Aginagalde stand 2016 neben ihm auf dem EM-Podest, beide mussten sich nur der DHB-Auswahl geschlagen geben. Jetzt sitzt er im Büro, schaut auf die Statistiken und sieht: Mindegia liegt in den Top-5 der Passquote bei 7-Meter-Tempo, seine Fehlpassquote sinkt seit drei Jahren kontinuierlich. Für einen Linksaußen, der plötzlich im Rückraum eingesetzt wird, ist das mehr als eine Fußnote.

Die Vertragsstruktur ist klar: bis Sommer noch Toulouse, dann sofort Vollgas in Irun. Kein Leihgeschäft, kein Schnellschuss. Bidasoa sichert sich die Dienste eines Spielers, der in der Ligue 2 letzte Saison noch 87 Tore erzielte – und dabei nur 93 Würfe benötigte. Effizienz heißt das Zauberwort, und Effizienz war es, die Irun in der Endrunde der European League vermissen ließ.

Der basken-klub träumt laut – und das ist neu

Der basken-klub träumt laut – und das ist neu

Vor fünf Jahren noch kämpfte Bidasoa um den Klassenerhalt. Nun sprechen Vereinsbosse offen von „Halbfinale“ in der European League und „Top vier“ in der Liga. Mit Mindegia holt man sich einen Spieler, der in Lodz, Szeged und Kolding gelernt hat, wie man unter Druck gewinnt. Die Fans in der „Pabellón Polideportivo Municipal“ werden sich nicht an eine Einzelaktion erinnern, sondern an die Ruhe, mit der er in der 54. Minute den Ball querlegt, die Abwehr verschiebt und den Kreisläufer freispielt. Genau diese Ruhe kostete Irun in den engen Spielen zuletzt Nerven.

Und Mindegia selbst? Er wird 38, bevor die Play-offs starten. Aber er lacht über Altersfragen: „Ich bin kein Phänomen, ich bin ein Handballer.“ Mit dieser Haltung wird er am 14. September in der European League gegen Sporting Lissabon auflaufen – und dann zeigt sich, ob die Rechnung aufgeht. Bidasoa hat den Mut, eine Legende nicht als Maskottchen, sondern als Spieler zu verpflichten. In einer Zeit, in der Klubs lieber 19-jährige Franzosen scouten, ist das ein Statement. Und Statements sind es, die Turniere gewinnen.