Kovac schlägt zurück: drei elfmetter und eine kabine, die explodierte
0:2 zur Pause, drei Strafstöße nach dem Seitenwechsel, 3:2 am Ende – Borussia Dortmund hat am Samstagabend eine Halbzeit gespielt, die sich der Coach selbst nicht erklären kann. Niko Kovac stand nach Abpfiff mit verschränkten Armen vor der Sky-Kamera und gestand: „So eine Diskrepanz habe ich selten erlebt.“
Was genau in der Kabine fiel, bleibt Geheimnis. Kein Einzelvorwurf, keine Namen, nur ein Satz: „Es war komplett keine gute Leistung.“ Die Botschaft landete. Die Mannschaft kam zurück – und wie.

Elf minuten, drei tore, keine antwort
Der HSV hatte die erste Hälfte beherrscht, Dortmund wirkte wie betäubt. Ballverluste von Svensson, Reggiani und Nmecha endeten in zwei Gegentreffern. Nach dem Wechsel war plötzlich alles anders: Bensebaini verwandelte zweimal vom Punkt, Nmecha schoss den dritten Elfmeter zwar daneben, doch der Knoten war geplatzt. Die Hanseaten kamen nicht einmal mehr zum Eckball, geschweige denn zum Torschuss. Statistik: null Ballkontakte im Dortmunder Strafraum – das gab es in dieser Saison noch nicht.
Torwart Gregor Kobel blickte vom eigenen Sechzehner aus auf ein Fußball-Kraftwerk. „Ich habe eher zugeschaut, wie die anderen Gas geben“, sagte er und lachte, als wäre er selbst Zuschauer gewesen. Kovac dagegen blickte weg. Bei Elfmetern schaut der Kroate nicht hin. „Ich habe es mir abgewöhnt“, sagt er, seit er einmal in der 90. Minute einen entscheidenden Penalty verschossen sah. Jetzt bleibt ihm nur die Hoffnung, dass seine Mannschaft das nächste Mal nicht erst nach der Pause aufwacht.
Die Nationalspieler reisen, der Rest erhält frei – bis Dienstag. Dann beginnt die Vorbereitung auf Stuttgart. Kovac wird wieder in die Kabine treten. Diesmal will er keine Wunder mehr erleben, sondern eine Mannschaft, die von der ersten Minute an Gas gibt. Die Zeit der Reden ist vorbei.
