Korpatsch schmeißt die favoritin raus und jagt den top-100-traum

Tamara Korpatsch hat in Linz einen Handstand hingelegt. Die 30-jährige Hamburgerin schaltete die an Nummer 6 gesetzte Jaqueline Cristian mit 4:6, 6:1, 6:4 aus und steht zum ersten Mal seit September 2023 wieder im Achtelfinale eines WTA-Turniers.

Ein satz verloren, moral gewonnen

Der Start versprach nichts Gutes. Cristian, die mit Top-50-Erfahrung aufwartet, nahm Korpatsch den ersten Satz mit dem Rasenmäher-Effekt: schnell, kalt, gnadenlos. Doch die Weltranglisten-109. wechselte in der Pause nicht nur das Shirt, sondern auch die Mentalität. Return früher, Schlagvarianten enger, Laufwege kürzer – plötzlich wirkte Cristian wie ein Betrunkener auf Rollschuhen. Der 6:1 im zweiten Durchgang war keine Zahl, sondern ein Statement.

Im Entscheider lag Korpatsch schon mit 2:4 zurück. Das Stadion kochte, die rumänische Fan-Block trommelte. Dann kam der Moment, den Trainer Michael Geserer später „pure Korpatsch“ nannte: ein Passierball auf dem Zentimeter, ein Sprint zum Volley, ein Faustschlag in die Luft – 6:4. Match.

Nächster halt: comeback in die elite

Nächster halt: comeback in die elite

Die Rechnung ist simpel. Siegt sie ihre nächste Gegnerin, die Ungarin Panna Udvardy, rückt Korpatsch voraussichtlich auf Position 97 der Welt. Drei Monate nach ihrer Ostrava-Finalniederlage gegen Vondrousova winkt also das, was sie „die kleine Rückkehr“ nennt: Top 100, automatische Qualifikation für Roland Garros, keine Vorrunden mehr.

Der Weg dahin führt über die Quali, in der sie bereits Jule Niemeier erledigte. Die Dortmunderin, einst Wimbledon-Viertelfinalistin, blieb bei 4:6, 2:6 hängen. Für Niemeier ein weiterer Tiefschlag im Jahr 2026, für Korpatsch ein Signal: Alte Rivalen kann man auch mal hinter sich lassen.

Freitag, 11 Uhr, Center Court. Korpatsch gegen Udvardy. Keine Seed, keine Garantien. Aber eine Chance, die größer ist als die Platzanlage selbst. Denn wenn sie gewinnt, schreibt sie nicht nur Zahlen neu, sondern auch ihre Geschichte: vom Comeback-Kid zur Konstante. Und Christian Schneider wird live dabei sein – mit Kamera, Herzschrittmacher und der Gewissheit, dass Sport manchmal einfach nur die Frage beantwortet: Was geht, wenn man nicht aufgibt.