Kornetka springt in die braunschweiger arena – retter oder strohhalm?

Die Eintracht schläft nicht. Knallhart entlässt der Vorstand Heiner Backhaus, noch bevor der Rasen des 13. Spieltags kalt ist, und setzt auf Lars Kornetka, bisher Assistent von Ralf Rangnick in der österreichischen Nationalmannschaft. Sein Debüt als Chefcoach? Samstag, 13 Uhr, gegen Fortuna Düsseldorf – live auf Sky, live im Gettobrenner-Stadion.

Der weg nach vorn führt über die bank

Kornetka kennt die Zweite Liga nur aus Analysen, nicht aus eigener Erfahrung. 48 Jahre, Diplom-Sportlehrer, ständig in Begleitung von Rangnick, ständig ein Schritt zurück. Jetzt soll er die Ruine Braunschweig allein tragen. Die Statistik nagt: fünf Spiele ohne Sieg, Tabellenplatz 15, Torverhältnis 19:29 – das ist kein Stolpern, das ist ein Sturz.

Sport-Geschäftsführer Benjamin Kessel redet nicht lange um den heißen Brei. „Wir haben die Entwicklung und Leistung der Mannschaft in den vergangenen Wochen stetig beobachtet und analysiert. Nach vielen Gesprächen – sowohl mit dem Trainerteam als auch mit Heiner persönlich – fehlt uns die Überzeugung, den eingeschlagenen Weg in dieser personellen Konstellation erfolgreich fortzusetzen.“ Faktisch: Backhaus ist raus, weil die Punkte nicht mehr reichen, um den Abstiegsstrudel zu verlassen.

Co-trainer statt chef – jetzt die erste solo-bühne

Co-trainer statt chef – jetzt die erste solo-bühne

Kornetkas Vita liest sich wie ein Kompendium moderner Fußball-Assistenten: RB Leipzig, Bayer Leverkusen, PSV Eindhoven – überall Co-Trainer, nie der Mann mit der letzten Entscheidung. Seine Aufgabe war stets taktische Feinarbeit, Datenanalyse, Gegenpressing-Konzepte. Eintracht Braunschweig ist seine erste Cheftrainerstelle, und sie fällt in eine Saison, in der jeder Punkt über Klassenerhalt oder Liga drei entscheidet.

Die Spieler bekamen die Nachricht am Dienstagnachmittag, Sekunden nachdem die Pressemitteilung online ging. Im Kabinengang herrscht Betriebsamkeit, keiner will sich festlegen. „Wir schauen nach vorne“, sagt ein Leistungsträger und verschwindet im Fitnessraum. Die Botschaft ist klar: Neuanfang, aber mit dem alten Druck.

Die Fans reagieren gemischt. In den sozialen Netzwerken feiert ein Teil die Verpflichtung als „Signal für mutige Taktik“, andere fordern den Vorstand heraus: „Erst den Kader vermurksen, dann den Trainer opfern.“ Die Realität: Bis zum Saisonende winken noch acht Spiele, der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt null Punkte, aber die Moral ist längst nicht mehr tabellenkonform.

Kornetka landet am Donnerstag in Braunschweig, sofort Termine mit Athletik-Chef und Videoanalyst. Er hat 48 Stunden, um seine eigene Trainingsphilosophie über die Mannschaft zu ziehen. Hohe Defensivlinie, enges Zusammenspiel, schnelles Umschaltspiel – das verspricht er, das verlangt der Klub. Die Frage ist nicht, ob er es kann, sondern ob er es sofort kann.

Am Samstag um 15 Uhr ist Schlusspfiff. Dann weiß Braunschweig, ob der neue Mann eine Trendwende schafft – oder ob die Arena wieder mit Pfiffen statt mit Jubel erklingt. Für Kornetka gibt es kein Probespiel, nur eine Endrunde. Verliert er, rutscht Eintracht auf Platz 16. Gewinnt er, darf er durchatmen – für 90 Minuten.