Kornetka rastet durch, braunschweig zittert sich doch noch los

Einmal mehr bewies Lars Kornetka, dass Halbzeitreden keine Floskeln sind, sondern Brandbeschleuniger. 0:1 in Nürnberg, dicke Luft, schwarze Rauchwolken – und dann: Eintracht wie ausgewechselt. Der Ausgleich fiel, der Sie lag in der Luft, blieb aber im Nebel hängen. 1:1, Punkt, Drama vorbei.

Kornetkas kanonade und der rauch, der alles veränderte

Die erste Hälfte war ein Offenbarungseid. Kein Zugriff, kein Plan, dafür 13 Ballverluste im Aufbau – gezählt von Co-Analyst Marcel Schäfer auf seiner Tablet-Spalte. Kornetka sprach hinterher von „hektisch und wild“, was im Protokoll noch diplomatisch klingt. In der Kabine schmetterte er laut Augenzeugen die Taktik-Klapper gegen die Wand und ließ die Spieler ihre eigenen Fehler auf der Leinwand erklären. „Wenn ihr das nicht kapiert, fliegt uns der Arsch in Liga drei“, soll er gerufen haben. Die Worte trafen.

Die zweite Hälfte begann mit einem Nebel, der nichts mit Pyrotechnik zu tun hatte – zumindest offiziell. Schwarze Schwaden quollen über die Osttribüne, die Unparteiischen stoppten die Partie. Drei Minuten später köpfte Mehmet Aydin eine Flanke an den Querbalken, der Ball sprang zurück, Jovan Mijatovic schob ein – Ausgleich, aber der VAR nahm ihn zurück. Reichert wurde angeblich behindert, die Bilder zeigen minimalen Kontakt. Kornetka tobte, die Viertelstunde war verbrannt.

Die Eintracht blieb dran. Robin Heußer schob in der 61. Minute nach Nicolai Rapp-Hereingabe flach zum 1:1 ein. Plötzlich spielte Braunschweig, wie Kornetka es sich wünscht: englische Woche für den Gegner, zweite Bälle abgreifen, sofort vertical. Tempelmann, frisch reingekommen nach fünf Monaten Zerrissenheit, hätte in der Nachspielzeit sogar den Siegtreffer erzielen können. Sein Schlenzer landete auf dem Tornetz – Reichert war längst geschlagen.

Der punkt, der wie niederlage schmeckt

Der punkt, der wie niederlage schmeckt

30 Zähler, Platz 14, drei Teams mit demselben Kontostand. Die Tabelle ist ein Mikroskop. Kornetka wischt sich die Haare aus der Stirn, atmet durch. „Wir hätten drei Punkte gebraucht, klar. Aber wenn du in so einer Phase den Kopf nicht sofort wieder hinbekommst, verlierst du hier 1:4. Der Punkt verhindert den freien Fall“, sagt er und klingt dabei wie ein Mathematiker, der weiß, dass 30 plus eins mehr ist als 30 minus drei.

Die entscheidende Szene bleibt die vermeintliche Hand-oder-Bein-Geschichte gegen Aydin in der 78. Minute. Kornetka schaut sich die Wiederholung auf dem Handy an, spult zweimal vor und zurück. „Wenn das kein Elfmeter ist, weiß ich auch nicht mehr weiter, murrt er. Der VAR blieb stumm, Schiri Florian Heft hatte die Szene live als Zweikampf gewertet. Für Braunschweig bleibt nur die Erkenntnis: Der Befreiungsschlag wird aufgeschoben, nicht ad acta gelegt.

Am Freitag gastiert Karlsruhe im Eintracht-Stadion. Dann zählt wieder Tordifferenz, nicht Moral. Die Löwen haben ihre Klauen gezeigt, sie müssen sie nun in den Maschen versenken. Sonst wird der Nebel bald wieder dicker – und diesmal ohne Happy-End.