Koreaner in favoriten: lee tae-sok will austria ins achtelfinale schießen

Dienstag, 20.45 Uhr, Happel-Stadion: Österreich misst sich mit Südkorea – und plötzlich steht ein Gastgender im Fokus. Lee Tae-sok, 23, Linksverteidiger der Taegeuk Warriors, trainiert seit Sommer in Favoriten, spielt für die Austria und träumt laut vom WM-Viertelfinale. 13 Länderspiele, ein Tor, null Anspruch: „Ich sehe das nicht als Geschenk, sondern als offenen Wettkampf“, sagt er.

Testspiel als endspiel: warum jede minute zählt

Hong Myung-bo, Südkoreas Teamchef, nominierte ihn erstmals für die Startelf – ein Signal. Gegen die Elfenbeinküste saß Lee auf der Bank, sah das 0:4 in Milton Keynes, spürte den Druck. Nun will er sich beweisen. „Die Österreicher sind schnell, körperlich stark, spielen direkt. Genau das brauchen wir vor der WM“, analysiert er. Respekt? „Riesig. Aber wir wollen lernen, nicht betteln.“

Dabei vergisst er nicht, wo er Mittwoch arbeitet: Wien. Lee Kang-Hee, Mittelfeldspieler der Austria, schaffte es bisher nicht in den Kader, hält die Hoffnung aber warm. „Der Wunsch brennt. Ich werfe die Flinte nicht ins Korn“, sagt er nach dem Training. Beide kennen die Austria-Kabine, beide wissen: Ein gutes Spiel gegen das eigene Klub-Heimteam kann den Schnitt ins WM-Gehäuse bedeuten.

Wm-pfade: korea will nach 2002 wieder ins viertelfinale

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Die Asienmeister starten am 5. Juli gegen Mexiko ins Turnier, dann folgen Tschechien-Dänemark-Sieger und Südafrika. Rang 22 der FIFA-Weltliste, zweimal Vierter 2002 – mehr Geschichte als Gegenwart. Lee Tae-sok schraubt die Latte trotzdem hoch: „Vielfach wird gesagt, Achtelfinale sei das Minimum. Wir streben mehr an.“ Österreich, provisorisch 25., gilt ihm als Gradmesser. „Wenn wir hier mithalten, können wir gegen jeden Gegner in Nordamerika bestehen.“

Die Austria-Fans haben schon Namen für ihre Koreaner: „Ansa-Lee“ und „Zwara-Lee“. Die Kurven sind schwarz-rot, doch morgen flattern Taeguk-Fahnen zwischen den Blöcken. Lee Tae-sok lacht: „Ich erwarte Pfeifkonzerte – und danach Applaus, egal wie’s ausgeht.“

90 Minuten, die über WM-Startplätze entscheiden könnten. Für Lee persönlich. Für Korea. Und für die Austria, die miterlebt, wie ihre Legionäre auf internationalem Parkett brillieren – oder scheitern. Die Uhr tickt. Das Happel-Stadion wartet. Und der Linksverteidiger mit dem österreichischen Klubherz will Geschichte schreiben – nicht nur mit, sondern auch gegen Österreich.