Kompany warnt trotz 6:1: „wir spielen keine freundschaftsspiele“
Vincent Kompany schaut nicht auf das Ergebnis, sondern auf die Uhr. 75 000 Zuschauer werden morgen in die Allianz Arena strömen – und der Bayern-Trainer will kein Schaulaufen, sondern ein Statement. „Wir sind der FC Bayern, nicht ein Schönwetter-Klub“, sagt er knapp, nachdem er die Trainingseinheit verlassen hat. Das 6:1 in Bergamo sei Makulatur, sobald der Ball wieder rollt.

Neuer und urbig zittern, prescott droht sein debüt mit 16
Die personelle Frage lautet: Wer hält die Null? Manuel Neuer hat zwar wieder mit der Mannschaft trainiert, aber das Sprunggelenk meldet sich noch. Ebenfalls auf dem Rasen: Jonas Urbig – allerdings mit deutlich reduziertem Programm. Fällt der 21-Jährige aus, rückt Leonard Prescott in den Kader. 1,96 m, Torwart-Trikot Nummer 39, erst 16 Jahre alt. „Er hat keine Angst, er hat Reflexe wie ein Katzenberger“, scherzt Kompany, bevor er ernst wird: „Wenn das medizinische Okay kommt, steht er zwischen den Pfosten. Punkt.“
Die Atalanta wird nicht kuschen. Kompany hat sich 90 Minuten Clips vom 1:1 der Bergamaschi gegen Inter angesehen, zusätzlich zur Niederlage seines Teams. „Sie pressen in Sechser-Ketten, verlagern das Spiel in Sekundenbruchteilen. Das 6:1 war eine Sensation, keine Normalität“, warnt er. Die Italiener müssen mindestens vier Tore schießen – und genau das macht sie gefährlich. „Sie haben nichts zu verlieren, das entlastet.“
Ohne Kimmich und Olise rotiert Kompany kräftig. Die beiden Profis wurden geschont, weil das Viertelfinale vor der Tür steht. Ein Achtelfinal-K.o. gegen Atalanta hätte Brisanz erzeugt – genau wie vor einem Jahr gegen Inter. Damals schied der FC Bayern im Viertelfinale aus, diesmal will Kompany die Kurve kriegen. „Wir haben gelernt, dass Favoritenrollen nur auf dem Papier stehen“, sagt er und schließt die Pressekonferenz mit einem Appell an die Fans: „Morgen streiken Bus und Bahn. Kommt trotzdem. Wir bezahlen mit Leidenschaft.“
Die Wahrscheinlichkeit, dass Prescott zum jüngsten Keeper der Champions-League-Geschichte wird, steigt mit jeder Therapieeinheit Urbigs. Die Uhr tickt – und Kompany tickt mit.
