Kompany: bayern-triple im blick – und ein riskantes spiel?

Vincent Kompany steht vor einer Zerreißprobe. Der FC Bayern München, gefangen im Netz der Champions-League-Vorbereitung auf PSG, muss sich entscheiden: Vertraut der neue Coach auf seine bewährten Stars oder wagt er einen radikalen Umbruch, selbst vor dem möglicherweise entscheidenden Duell?

Die taktische schachmatt

Die taktische schachmatt' vor dem pariser duell

Raimund Hinko, Legende unter den Sport BILD-Reportern, schlägt Alarm: Kompany, dessen Sperre in Paris ihn ohnehin an die Seitenlinie fesselt, sollte die Chance nutzen, um frische Kräfte ins Spiel zu bringen. Aber nicht irgendeine. Hinko plädiert für ein Experiment: einen jungen Spieler aus dem Bayern-Campus, der bisher nur den Lehrern bekannt ist. Ein gewagter Schachzug, gewiss, aber einer, der die Bayern-DNA atmet – die Bereitschaft, Risiken einzugehen und auf unentdecktes Talent zu setzen.

Die Ironie des Schicksals: Kompany, der seine Familie lieber vor dem Druck eines WM-Jobs oder TV-Expertendebüts schützt, wird von den Spielern ohnehin besser kennen, als er seine eigene Familie. Sein Landsmann Aaron Danks steht ihm zur Seite, ein Vertrauter, der seine Visionen teilt. Selbst wenn die Bayern im Rückstand liegen – wie so oft in Mainz – wird Kompany seine Mannschaft von der Tribüne aus anfeuern, seine Präsenz spürbar, sein Blick durchdringend.

Und hier kommt der Clou: Kane, Olise und Musiala würden ohne Umschweife ins Feuer geworfen, wenn Kompany es für nötig hält. Eine Wiederholung der Geschichte? Eine Bayern-Aufholjagd, die mit einem 4:3-Sieg endet – und niemand kann sie mehr aufhalten?

Doch die Realität ist oft anders. Kompany steht vor einem Balanceakt. Er hat großartige Vorgänger gehabt, die mit ihren Eigenheiten den Verein prägten: Udo Lattek mit seinen ungewaschenen Pullis, Tschik Cajkovski mit seinem Schweinshaxn-Exzess, Branko Zebec mit seiner Vorliebe für edle Tropfen, Louis van Gaal mit seinem spanischen Roten, Gyula Lorant mit seinen Austern und Pal Csernai mit seinen Glasaalen. Alle eint ein Merkmal: Sie liebten den Erfolg – und waren bereit, dafür auch Kompromisse einzugehen.

Neben seinem taktischen Verstand, der Kompany auszeichnet, darf er auch seine Leidenschaft für bayerisches Weißbier nicht vergessen – solange er die Kontrolle behält. Entscheidend wird das Rückspiel nächste Woche in der Allianz Arena sein. Ob gesperrt oder nicht – Kompany wird im Mittelpunkt stehen, selbst wenn er im Gefängnis säße. Seine Fähigkeit, zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen, ist legendär. Eine Atmosphäre, die schon um die Jahrtausendwende Jupp Heynckes, Ottmar Hitzfeld und Hansi Flick auszeichnete.

Die Chemie stimmt auch zwischen Joshua Kimmich und Harry Kane, zwei Väter, die auf dem Platz harmonieren. Und dann ist da noch Manuel Neuer, die Torwart-Legende, die sich freiwillig auf die Bank setzt und sich mit jeder Bayern-Szene freut – ein Novum im modernen Fußball. Gerüchte über einen Elfmeter für Neuer im nächsten Spiel machen die Runde. Ein Wiener Schnitzel als Belohnung wäre das i-Tüpfelchen.

Kompany wird nicht ausgesperrt, sondern herzlich willkommen geheißen. Und die Sperre? Ein Kavaliersstart. Denn die Bayern haben eine neue Dynamik gefunden, eine Energie, die sie zum vierten Triple führen könnte.