Kolumbien: journalistin wirft ex-sportchef des tiempo desexuelle belästigung vor

Ein Erdbeben erschüttert die kolumbianische Medienlandschaft: Die renommierte Journalistin und Aktivistin Jineth Bedoya Lima, Leiterin der Kampagne 'No es Hora de Callar' und Genre-Redakteurin bei der Casa Editorial El Tiempo, hat eine formelle Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft gegen Gabriel Meluk, den ehemaligen Sportredakteur desselben Mediums, eingereicht. Der Vorwurf: mutmaßliches sexuelles Belästigung im Arbeitsumfeld.

Ein schritt der konsequenz

Bedoyas Entscheidung, rechtliche Schritte einzuleiten, wurde öffentlich über ihre Social-Media-Kanäle bekannt gegeben. Sie berief sich dabei auf das Gesetz 1257 von 2008, das Instrumente zur Prävention, Sanktionierung und Ausrottung von geschlechtsspezifischer Gewalt im Land vorsieht. Für Bedoya ist es eine Frage der unbedingten Konsequenz, eine Haltung, die sie seit Jahren in ihrer Arbeit vertritt und die die Rechte der Frauen über ihre eigene Person stellt. “Auf meinem Weg habe ich stets darauf geachtet, dass die Kohärenz zwischen dem, was ich sage und tue, mich jeden Tag daran erinnert, warum ich mich für den Journalismus und die Verteidigung der Frauenrechte entschieden habe, über mein eigenes Leben hinaus”, erklärte sie.

Obwohl Bedoya betont, dass sie Meluk seit 24 Jahren kenne und selbst nicht direkt von ihm belästigt worden sei, fühlt sie sich in der Pflicht, aufgrund der ihr zugespielten Informationen zu handeln. Sie berichtet von einer Reihe von Fällen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, die von Kolleginnen und Freundinnen betroffen waren. Die Situation ist besonders brisant, da sie offenbar in privaten Treffen im Rahmen der Kampagne 'No es Hora de Callar' thematisiert wurde.

Vorherige untersuchungen und enthüllungen

Vorherige untersuchungen und enthüllungen

Die Anzeige folgt kurz nach einer Sonderinvestigation der Zeitschrift Raya, die zahlreiche Zeugenaussagen von Journalistinnen und ehemaligen Mitarbeiterinnen der Redaktion enthielt. Diese berichteten von mutmaßlichen missbräuchlichen und belästigenden Praktiken des ehemaligen Sportredakteurs. Berichten zufolge waren die Erfahrungen bereits zuvor in privaten Gesprächen innerhalb der 'No es Hora de Callar'-Aktivitäten thematisiert worden. Es gab offenbar auch interne Beschwerden und Vorwürfe gegen Meluk, die vor Jahren die Verantwortlichen erreicht haben sollen.

Die Generalstaatsanwaltschaft wird nun die Beweismittel sammeln und prüfen, ob der Fall weiterverfolgt werden muss. Gabriel Meluk, eine der bekanntesten Figuren des kolumbianischen Sportjournalismus, hat sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Versuche, ihn für eine Stellungnahme zu kontaktieren, blieben erfolglos.

Die reaktion der casa editorial el tiempo

Die reaktion der casa editorial el tiempo

Die Casa Editorial El Tiempo reagierte auf den Aufschrei mit einem offiziellen Statement, in dem sie ihre volle Unterstützung für Jineth Bedoya bei der Einreichung der Beschwerde zusichert. “Wir betonen die Entscheidung von Jineth Bedoya Lima, diese Anzeige aufgrund der ihr bekannten Informationen einzureichen, und werden ihr im Rahmen des Gesetzes und des ordnungsgemäßen Verfahrens alle Unterstützung zukommen lassen, die sie benötigt”, hieß es in der Erklärung. Das Medienunternehmen hat zudem interne Protokolle für den Fall von Gewalt und sexueller Belästigung am Arbeitsplatz aktiviert und bekräftigt sein Engagement für sichere und diskriminierungsfreie Arbeitsplätze.

Die kolumbianische Medienlandschaft beobachtet diesen Fall mit Spannung. Es bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen die Anschuldigungen für Gabriel Meluk und die Casa Editorial El Tiempo haben werden. Die Forderung nach einem Null-Toleranz-Umgang mit sexueller Belästigung wird dabei lauter denn je.