Kolumbianischer nachwuchsstar santiago castrillón bricht auf dem platz zusammen und stirbt mit 18
Santiago Castrillón war gerade dabei, seinen Traum zu leben. Dann brach der 18-jährige Kreativspieler von Millonarios in der 23. Minute des U-20-Spiels gegen Santa Fe leblos zusammen. 24 Stunden später starb er in der Intensivstation eines Bogotá-Krankenhauses an offenbar massivem Herzversagen.
Sein Verein spricht von einem „gebrochenen blauen Herzen“, denn Castrillón trug das blaue Trikot der Millonarios, das er seit seiner Aufnahme in die Jugendakademie vor acht Jahren nicht mehr auszog. Der Junge aus Bucaramanga war nicht irgendein Talent – er war der Diamant, den Trainer César Torres gerade für Kolumbiens U-19 nominiert hatte. Nun liegt ein Tuch über der Kabine, Nummer 10 wird nicht mehr aufgerufen.
Der notarzt reagierte binnen sekunden – und doch zu spät
Die Bilder sind erschütternd: Castrillón nimmt den Ball mit der Hacke mit, dreht sich, stolpert – und fällt rücklings. Zuerst glauben alle an einen Krampf, doch als sich seine Augen weit aufreißen und kein Laut kommt, wissen die Kollegen, dass dies anders ist. Der Arzt sprintet mit Defibrillator, die Ambulanz rast aufs Feld, 40 000 Zuschauer verstummen. Im Hospital de la Samaritana angekommen, diagnostizieren die Kardiologen eine hypertrophe Kardiomyopathie – eine vererbte Verdickung der Herzmuskulatur, die bei Belastung plötzlich tödlich enden kann.
Radamel Falcao, der nach seiner Rückkehr zu Millonarios gerade wieder Torschützenkönig der Liga wird, postiert ein Foto, auf dem er Castrillóns Vater die Hand auf die Schulter legt: „Wir verlieren einen Kameraden, der noch die ganze Welt hätte erobern können.“ Die Worte klingen wie ein Todesurteil für jeden, der je dachte, Sport sei ein sicheres Betätigungsfeld.

Kolumbien diskutiert, warum herzscreenings erst nach todesfällen kommen
Die Liga Dimayor bestätigt, dass bei U-20-Spielern nur ein Ruhe-EKG verlangt wird – ein Belastungs-Ultraschall kostet 180 Dollar pro Spieler, zu viel für viele Klubs. Die Bilanz ist nackt: Seit 2015 starben in Kolumbien sieben Nachwuchsspieler zwischen 16 und 21 Jahren an nicht erkannten Herzerkrankungen. Santiago Castrillón ist nun die jüngste Nummer in dieser Statistik, und sein Name wird kursieren, wenn die Liga am Freitag über eine Pflichtscreening-Verordnung abstimmt.
Millionen-Fans haben vor dem Estadio El Campín Kerzen aufgestellt, das Nachwuchsteam trainiert seit Sonntag ohne Musik. Wer schießt schon Freudentore, wenn die Kabine nebenan leer steht? Die Nummer 10 wurde offiziell zurückgezogen – für immer. Und die Next-Gen-Trophäe, die Castrillón in diesem Jahr hätte entgegennehmen sollen, wird posthum an seine Familie überreicht: ein silberner Pokal, der plötzlich viel zu schwer ist.
