Kölner schwestern rudern sich in london in historisches oxford-cambridge-duell

Die Themse wird am Samstag zum Familien-Kampfplatz. Lilli und Mia Freischem, 26 und 24, treten beim 197. Boat Race an – aber in feindlichen Booten. Die Kölnerin Lilli zieht für Oxford, ihre jüngere Schwester Mia für Cambridge durchs Wasser. Erstmalig rudern zwei deutsche Geschwister gegeneinander um den Sieg im ältesten Universitätsderby der Welt.

Von der schwimmhalle zur elite-achter

Vor fünf Jahren hielten die beiden ihre erste Riemen in Edinburgh. Corona sperrte die Hallen, das Ruderclub-Training blieb als einzige sportliche Ausnahme. „Wir wollten einfach nur Bewegung“, erinnert sich Lilli. Heute stehen sie im deutschen Nationalkader. Zwischen 6.30 und 9 Uhr paddeln sie schon einmal, nach der Vorlesung geht’s wieder aufs Wasser – sechs Tage die Woche, 20 Stunden Zugzeit inklusive Kraftkammer.

Die Auslese ist brutaler als jede Klausur. Ein Jahr lang testet das Coaching-Team Erg-Werte, Laktatkurven, mentale Belastbarkeit. Von 120 Bewerberinnen bleiben acht übrig. „Wer hier sitzt, hat neben dem Studium kein Privatleben“, sagt Mia. Sie forscht in Cambridge an Nierentransplantationen, Lilli entwickelt in Oxford KI-Modelle für Wettervorhersagen. Trotzdem schaffen sie mehr Kilometer auf dem Fluss als auf dem Highway zur Eltern-Wohnung in Köln-Sülz.

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Seit 1927 rudern auch Frauen, aber nie zuvor trafen zwei deutsche Geschwister aufeinander. Die 6,8 km lange Strecke von Putney bis Mortlake gilt als härteste Regatta Europas: fünf Kurven, Gegenstrom, Windkanal unter den Brücken. 250.000 Zuschauer am Ufer, sieben Millionen vor den TVs. Für die Freischems wird das Rennen zur Eislaufstunde auf offener See – nur mit 40 Schlägen pro Minute.

Der familiäre Smalltalk endet spätestens beim Startschuss. „Dann ist jede Schlagzahl ein Faustschlag“, sagt Bundestrainer Alexander Schmidt. Beide Boote liegen in diesem Jahr dicht beieinander: Oxford gewann 2025, Cambridge holte sich den Gesamtsieg über alle Disziplinen. Die Wetter-App der Älteren verspricht leinenen Wind – perfekt für Oxford’s längere Schlaglänge. Mia kontert mit einer höheren Stroke-Rate, Cambridge’s Spezialität in den letzten 500 Metern.

Ob Siegerin oder geschlagene Schwester – in zwei Wochen treffen sie sich wieder im deutschen Nationalboot bei der DM in München. Dort rudern sie dann im gleichen Achter. Bis dahin gilt: Wer die Themse zuerst verlässt, darf ein Jahr lang den Familien-WhatsApp-Status bestimmen. Die Uhr läuft – und die Schwestern paddeln auf die Antwort zu.