Köln wirft sinkiewicz ins kalte wasser: ex-profi muss wagner retten
Der 1. FC Köln schickt Lukas Sinkiewicz in die zweite Bundesliga-Relegations-Angst. Der frühere FC-Verteidiger wird sofort Co-Trainer von Interimschef René Wagner, wie der Klub am Freitagvormittag mitteilte.

Ein rückkehrer, der nicht lange schlafen darf
Die Entscheidung fiel in der Nacht nach der 0:3-Demütigung in Freiburg. Manager Thomas Kessler holt sich damit einen Mann, mit dem er 2005 gemeinsam in der FC-Abwehr stand. „Lukas kennt den FC, ist ein guter Typ“, sagt Kessler und meint damit vor allem: Er kennt die Krise. Sinkiewicz spielte von 2004 bis 2007 für Köln, stieg 2005 mit dem Klub ab und musste sich als Jungprofi anhören, er habe „keine Bundesliga-Tauglichkeit“. Nun soll er genau diese Tauglichkeit den aktuellen Spielern einbläuen.
Die Zeit drängt. Nach der Trennung von Lukas Kwasniok liegt der FC auf Platz 16, nur ein Punkt trennt die Mannschaft vom Relegationsplatz. Wagner war zunächst nur Brandschutz-Chef, nun bekommt er mit Sinkiewicz und dem erfahrenen Armin Reutershahn ein Dreiergespann, das die Saison vor dem Absturz bewahren soll. Sinkiewicz’ erste Aufgabe: Die Defensive stabilisieren. In den letzten fünf Spielen kassierte Köln zwölf Gegentore.
Für den 40-Jährigen ist es der erste Job in der Bundesliga. Seit 2017 coachte er Jugendteams in Regensburg und Augsburg, mal als U-17-Trainer, mal als Individualcoach. Die Profiluft war bistlang eine Ebene zu hoch. „Ich bin bereit“, sagte Sinkiewicz dem Klub, „ich kenne die Druckkochtopf-Atmosphäre, ich weiß, was die Fans erwarten.“
Die Fans reagierten sofort. Auf Twitter kursiert ein Foto von Sinkiewicz’ Kopfballtor gegen Bayern 2006, dazu der Kommentar: „Wenn er damals Köln retten konnte, schafft er es jetzt auch.“ Die Wahrheit ist: 2006 stieg der FC trotz des 3:2 gegen die Münchner ab. Die Erinnerung tut trotzdem gut – sie erinnert daran, dass der Klub schon tiefer gesunken ist und wieder auftauchte.
Sinkiewicz tritt seine Stelle am Montag an, dann beginnt die Vorbereitung auf das Kellerduell gegen Darmstadt. Es ist das letzte Heimspiel der Saison. Wer dann nicht gewinnt, muss im Mai womöglich in die Relegation. Die Quote für einen Abstieg des FC lag vor der Personalie bei 2,75 – sinkt nun auf 2,40. Die Wettmärkte glauben an den Befreiungsschlag. Ob die Mannschaft das auch tut, entscheidet sich in den nächsten 72 Stunden auf der Trainingsanlage in Müngersdorf. Dort wird Sinkiewicz lautstiger sein als in seiner aktiven Zeit. „Ich war nie der Lauteste“, sagte er einmal. Jetzt muss er es sein.
