Köln reagiert auf abstiegskampf mit machtzug: steidten und vierkötter sollen kader neu erfinden
Der 1. FC Köln schlägt zurück. Während die Mannschaft auf dem Rasen ums Bundesliga-Ueberleben zittert, rüstet die Geschäftsstelle im Geißbockheim zum Gegenangriff auf. Tim Steidten, einst Scoutchef von West Ham United, ist schon da. Tobias Vierkötter, 29, der bewies, dass er Millionen-Transfers spürt, kehrt heim. Beide sollen das Scouting so umkrempeln, dass der Club nie wieder in dieser Notlage landet.
Ein tag, zwei paukenschläge – kessler baut sein imperium
Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler hatte angekündigt, „klare Verantwortlichkeiten“ zu schaffen. Er liefert. Steidten wird „Direktor Kaderplanung und Recruitment“, arbeitet direkt an Kesslers Seite. Vierkötter übernimmt das Top-Talent-Tracking. Beide starten sofort, die Unterschriften sind Formsache. Die offizielle Bekanntgabe kommt noch vor dem Wochenende – dann ist der Umbau längst Realität.
Die neue Hierarchie liest sich wie ein Organigramm mit Messerscharfe: Markus Halfmann behält Nachwuchs und Akademie, Lukas Berg steuert Videoanalyse, Athletik und U21, Nicole Bender-Rummler verantwortet Frauen- und Mädchenfußball. Jeder Direktor bekommt Budget, Personal und klare KPIs. Kein Schleichen mehr zwischen Ressorts, kein „das haben wir immer so gemacht“.

Vierkötters rückkehr ist ein statement – und eine drohung
Vierkötter war 2024 nach Düsseldorf gewechselt, weil er dort mehr Gestaltungsraum sah. Jetzt holt ihn Köln zurück – mit mehr Macht und einem Scouting-Netz, das sich quer durch Europa spannt. Er war maßgeblich an Damion Downs und Max Finkgräfe beteiligt, beide wurden für siebenstellige Summen weiterverkauft. Seine neue Mission: Identifikation von Spielern, die entweder sofort helfen oder binnen zwei Jahren die Marktwerte explodieren lassen. Intern heißt es: „Wer Tobias’ Liste nicht schafft, landet nicht auf dem Board.“
Hinzu kommt Martin Schulz, der vor einem Jahr zurückgeholt wurde, und Marco Höger, der seit Sommer 2024 die U21-Kaderplanung stemmt. Matthias Borst ist seit Januar weg – ein weiteres Indiz dafür, dass Kessler keine halben Sachen macht. Die alte Garde ist abgelöst, das neue Regiment sitzt schon am Tisch.

Die botschaft an die liga: köln will nicht nur überleben, sondern dominieren
Die Baustelle ist gewaltig: 16 Punkte nach 18 Spielen, die schlechteste Offensive der Liga, ein Durchschnittsalter von 27,3 Jahren. Doch die Personalie Steidten sendet ein Signal an Agenten, Spieler und Konkurrenten: Köln spielt wieder mit offenen Karten und europäischem Anspruch. Wer jetzt lacht, sollte die Zahlen der letzten Transferperioden studieren – und sich fragen, warum gerade der FC plötzlich wieder Interesse an brasilianischen U20-Nationalspielern meldet.
Die Uhr tickt. Am Samstag gegen Bochum geht es um Sechs-Punkte im Abstiegskampf. Doch hinter der Kulisse arbeiten schon die nächsten Köpfe an der Saison 2025/26. Steidten hat in London gelernt, dass Krisen auch Chancen sind. In Köln bekommt er jetzt die Bühne, um das zu beweisen. Wenn es klappt, schreibt der FC bald nicht mehr über Abstieg, sondern über Achtungserfolge. Und wenn nicht? Dann war zumindest die Planungsabteilung nicht das Problem.
