Kollmer bleibt im bunker: verlängert bis 2027
Lucia Kollmer zieht den Handball-Faden weiter durch Regensburg. Die 23-jährige Linksaußen unterschreibt beim ESV 1927 bis Juni 2027 – und liefert damit dem Zweitligisten eine wichtige Planungsgrundlage für die nächsten drei Spielzeiten.

Lokale wurzeln, klare zukunft
Mit 23 Toren in 18 Partien ist Kollmer keine Ausnahmetalent-Story, sondern eine Systemspielerin. Sie rennt nicht nur an, sondern öffnet Räume, stemmt sich gegen Blocks und holt Siebenmeter heraus. Trainer Bernhard Goldbach schätzt genau diese Nuancen: „Luci bringt 1.- und 2.-Liga-Erfahrung zurück und versteht es, junge Mitspielerinnen zu stabilisieren.“ Nach ihrer verspäteten Rückrunde – Studienende in Hamburg plus Knie-Prellung – will sie nun durchstarten.
Der Klub reagiert auf die Verunsicherung anderer Zweitligisten, die gerade ihre Leistungsträger verlieren. Während Konkurrentinnen wie Halle oder Bietigheim personelle Brüche verkraften müssen, sichert sich Regensburg Kontinuität auf der Außenbahn. Robert Torunsky, sportlicher Leiter, formuliert das so: „Lokalkolorit und sportliche Qualität sind eine optimale Kombination – das ist bei Luci Programm, nicht Zufall.“
Kollmer selbst nennt drei Gründe für die Verlängerung: Nähe zur Familie, Masterstudium neben dem Sport, und das „Bunker“-Publikum. Die Halle an der Galgenbergstraße gilt als eine der lautesten der Liga – 1.200 Fans, Stehplatzkultur, Chor der Studenten. Wer dort aufläuft, spielt nicht nur Handball, sondern verkörpert eine Region, die sich selbst als „Handball-Mittelpunkt Bayerns“ versteht.
Der Vater spielt mit: Thomas Kollmer ist Torwarttrainer der Bunkerladies. Tochter und Vater treffen sich nun auf Augenhöhe – ein Detail, das in der deutschen Frauen-Bundesliga Seltenheitswert hat. Lucia lacht: „Wenn der Papa nach dem Spiel Fehler in der Abwehrklärung aufzählt, kann ich nicht einfach weghören. Aber genau das macht’s authentisch.“
Die Zahlen sind bescheiden, die Wirkung messbar. Ohne Kollmer sank die Trefferquote der linken Anwurfseite in der Vorrunde um 4,7 Prozent. Mit ihr kehrt nicht nur Torgefahr zurück, sondern auch ein Spielverständnis, das sich in Ballstaffetten und Gegenstoßquoten niederschlägt. Goldbach plant, sie künftig auch in der ersten Welle einzusetzen – ein Szenario, das ihre Torbilanz nach oben schrauben könnte.
Der Vertrag bis 2027 kommt einer kleinen Sensation gleich. In der 2. Bundesliga Frauen wechseln Leistungsträger oft nach einer Saison weiter; Stabilität ist teuer. Regensburg sichert sich nicht nur eine Spielerin, sondern ein Konzept. Und Kollmer? Die schließt eine Rundung auf: vom Nachwuchs der HG Hemau über Kiel, Buxtehude und zurück in die Heimat. Drei Jahre bleiben, um die Geschichte mit Aufstiegsplätzen zu verlängern. Der Bunker hat seinen Revier-Body wieder – und die Gegner gewinnen eine zusätzliche Kopfsache.
