Kolarov zerstört die illusion: inter zittert trotz +6 – und das ist kein zufall

Ein Punkt in Florenz, sechs Punkte Vorsprung – und trotzdem herrscht Alarmstimmung. Aleksandar Kolarov, Inter-Coach ad interim, sprach nach dem 1:1 gegen die Fiorentina Klartext: „Wir sind nicht in unserem besten Moment.“ Seine Worte trafen wie ein Schlag in die Magengrube der Nerazzurri-Fans, die sich nach 28 Spielen eigentlich sicher fühlen sollten.

Die statistik lügt nicht: inter dominiert nicht mehr

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den letzten fünf Partien holte Inter nur sieben von 15 möglichen Punkten. Die einstige Übermacht wirkte in der Artemio-Franchi plötzlich verletzlich. Fiorentina presste früh, zwang Sommer zu zwei Parade-Saves und traf durch Bonaventura den Pfosten. Inter antwortete mit einer Einzelaktion von Thuram, mehr nicht.

Kolarov, eigentlich Assistenzcoach, stand wegen der Sperre von Cristian Chivu erstmals allein an der Seitenlinie. Sein Gesicht nach Abpfiff: versteinert. „Ich verstehe die Enttäuschung, aber wir müssen akzeptieren, dass wir gerade nicht den Schalter umlegen“, sagte er. Und fügte hinzu: „Wenn das Trikot Inter trägt, erwartet jeder einen Sieg – auch wenn die eigene Maschine nur noch auf drei Zylindern läuft.“

Stille im katakomben-flur: die kabine redet nicht

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Was wirklich hinter den Kulissen passiert, behält der serbische Übergangstrainer für sich. Gespräche mit Kapitän Lautaro Martínez oder Altstar Mkhitaryan? Schweigen. Dafür sickerte durch: Ein Teil der Stammkräfte bemängelt die fehlende Rotation. Die Belastung nach 46 Pflichtspielen in dieser Saison frisst Frattesi und Dumfries auf. Deren Sprintwerte sind seit Wochen im Keller.

Die Lazio wartet am Sonntag schon der nächste Prügel. Verliert Inter dort, schrumpft der Vorsprung auf vier Zähler – und die Roma hat ein Nachholspiel in der Hinterhand. Die Meisterschaft, vor zwei Wochen noch als gelaufen gehandelt, bekommt plötzlich Gesichter: De Rossi, Mourinho, Sarri. Alle wittern die Chance auf ein historisches Stolpern der Nerazzurri.

Transferticker summt: marotta plant bereits den kader-coup

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Giuseppe Marotta, Inter-CEO, ließ sich in der Nacht nach Florenz blicken. Kurzer Satz, langer Nachhall: „Wir werden reagieren.“ Gemeint ist der Sommer. Fran García von Real Madrid soll links die Lücke schließen, Zielinski kommt als Freigang-Abo vom Nachbarn AC Mailand. Doch erst muss die Saison über die Bühne – und die könnte theoretisch am letzten Spieltag gegen Atalanta erst entschieden werden.

Kolarov nahm sich selbst in die Pflicht: „Wir müssen wieder lernen, dass ein 1:0 reicht. Ballbesitz ist schön, aber ohne Biss wird daraus nichts.“ Seine Spieler sollen in den nächsten 72 Stunden regenerieren, Videoanalyse steht an. Thema: „Wie wir wieder die 30-Meter-Zone verstopfen.“ Denn genau dort ging gestern die Luft raus.

Die Fans jedenfalls feuerten trotzdem bis zum Schluss. 3.000 mitgereiste Ultras sangen auch in der 90. Minute „Questa è la nostra Inter“. Kolarov klatschte zurück, aber seine Augen verrieten: Er weiß, dass sechs Punkte Vorsprung keine Garantie sind – sondern ein Alarmsignal. Die Serie A hat ihre zweite Halbzeit noch nicht gespielt. Und Inter muss endlich wieder gewinnen, sonst wird aus +6 schnell – gar nichts.