Huijsen schlägt zurück: warum er nach dem atleti-sieg vom bernabéu nicht mehr weg will

Dean Huijsen trat um 23:47 Uhr in die Mixed-Zone, Haare noch nass, Stimme rau vom Brüllen. Drei Minuten zuvor hatte der Ball wegen seiner Grätsche gegen Valverde gezischt, drei Sekunden später lag er selbst am Boden – und Real Madrid 3:2 vorne. Der 19-jährige Innenverteidiger lieferte keine Standard-Antworten, sondern ein Geständnis: „Ich hatte gerade mein kleines Tief, klar. Die Verletzungen haben nicht geholfen. Aber heute habe ich gezeigt, warum sie mich geholt haben.“

Die grätsche, die keine rote war

Die Szene der Partie: 71. Minute, Atleti kontert, Huijsen wirft sich quer, trifft Valverde am Schienbein. Scharfe Pfeife, Rote Karte. Der Jung-Profi zuckt mit den Schultern: „Für mich Gelb. Er schiebt mir das Bein weg, nicht mehr. Der Schiri sah’s anders – okay, wir gewinnen trotzdem.“ Die Statistik gibt ihm recht: Zweikampfquote 78 %, keine Fehlpässe im eigenen Drittel, nur eine Grätsche – eben jene. Das ist kein Zufall, sonst läuft er nicht so heiß.

Im Kabinengang wartete Antonio Rüdiger schon mit einem Schokoriegel und einem Satz auf Niederländisch. „Er sagt: ‚Weiter so, Junge, du bist der nächste, der hier eine Statue bekommt.‘ Ich lache, aber ich glaube ihm.“ Denn der Deutsche pries nicht nur das Talent, sondern die Reaktion nach drei Monaten Leistenbeschwerde und Länderspiel-Pause. „Ich trainiere seit Wochen um 6:30 Uhr, weil Ancelotti verlangt, dass ich die Diagonalen schneller schließe. Heute kam die Bezahlung.“

Bernabéu-pfeifkonzert als motivationsboost

Bernabéu-pfeifkonzert als motivationsboost

Die Fans piffen ihn in der ersten Halbzeit, als er einen Ball ins Seitenaus schlägt. „Gut“, findet er. „Dann weiß ich, dass sie Standards haben. Ich will, dass sie mich auf Level 10 sehen, nicht auf Sieben.“ Die Kurve dreht sich in der 83. Minute, als er einen Kopfball klärt und direkt den Konter einleitet. Plötzlich Rufe von „¡Ole!“, das Fass brummt. „Das ist das Bernabéu: Du kannst 89 Minuten schwächeln, eine Aktion reicht, und sie lieben dich. Aber sie vergessen nie – und das will ich auch nicht.“

Die Zahlen sprechen für ihn: Seit seiner Rückkehr holt Real sieben Punkte aus drei Spielen, kassiert nur ein Gegentor, das durch eine Abseits-Fehlentscheidung entstand. „Wir haben nur acht Fouls gemacht, weil wir früher zustechen. Das ist kein Zufall, das ist DNA“, sagt er und klingt dabei schon wie ein Kapitan, obwohl er erst seit Januar in der ersten Mannschaft trainiert.

„Nie weg gewesen – nur neu sortiert“

„Nie weg gewesen – nur neu sortiert“

Zur Frage, ob das „alte“ Madrid zurück sei, zieht er die Augenbrauen hoch: „Weg? Wir haben nur umgesortiert: Jude bringt Power, Vinicius bleibt Rakete, ich bringe Ruhe. Vier Monate ohne Last, das ist unser Vorteil.“ Und dann kommt der Satz, der in den Whatsapp-Gruppen der Ultras durchgeht: „Wenn wir so weitermachen, gewinnen wir zwei Titel – Minimum. Ich weiß, wie sich das anhört, aber ich arbeite nicht für Bronze.“

Mit diesen Worten verschwindet er Richtung Mannschaftsbus. Keine Show, keine PR-Floskel. Hinter ihm flackert das Stadionlicht, vor ihm die nächste Länderspiel-Pause. Doch diesmal fährt er nicht heim, sondern bleibt in Valdebebas, um Videoanalysen von Nesta zu schneiden. „Ich will, dass das Bernabéu mich nicht mehr auspfiffen kann – nie wieder.“