Bologna wirft alles in die waagschale: italiano fordert villa-sensation
Vincenzo Italiano schraubt die Erwartung aufs Maximum. „Fifty-fifty“, sagt er, doch jeder im Saal weiß: Gegen Aston Villa sind das 50 Prozent Wunschdenken, 50 Prozent reine Nervenkraft. Im Rückspiel der Europa-League-Achterfinal wartet das Mammutprogramm: 180 Minuten, ein englischer Goliath, ein italienischer David mit Heimfluch.
Castro droht der bankplatz – und keiner traut ihm den befreiungsschlag zu
Der Trainer lügt nicht. Santiago Castro wirkt seit Wochen wie durch einen Nebel filtert, seine Laufwege kommen zu spät, seine Abschlüsse noch später. „Poco lucido“, sagt Italiano, das klingt harmlos, ist aber ein Todesstoß für ein Selbstvertrauen, das ohnehin am seidenen Faden hängt. Wenn der Argentinier morgen im Sturmzentrum steht, dann nur, weil die Alternative lautet: Remo Freuler als Notnagel. Ein Offensivspieler auf dem Zettel, ein Defensivstratege im Kopf – das ist die Zwickmühle, in der Bologna seit Monaten steckt.
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache als die 50:50-These. Unai Emery feierte vier Europa-League-Titel, zog 16 Endspelduelle ein, kennt jede windige Ecke des Villa Park. Italiano? Zwei Conference-League-Finals, zwei Coppa-Italia-Finals, dazu eine Serie von 11 KO-Duellen ohne Niederlage. Schön. Aber das war gestern. Heute zählt nur, ob Lewis Ferguson John McGinn in den Griff bekommt – seinen ehemaligen Kumpel aus Schottland, der ihm schon zweimal den Ball aus den Füßen stahl und eiskalt versenkte.

Dall’ara soll endlich zur festung werden – statt zur bühne für gegentore
Das Eigenheim ist kein Schutzraum mehr. Bologna gewann erst fünf von 14 Heimspielen, kassierte in fast jedem zweiten Match mindestens zwei Gegentore. Das Stadion wird morgen trotzdem ausverkauft sein, 36 000 Stimmen gegen die Premier-League-Realität. „Wir müssen unser eigenes Stadion erobern“, sagt Italiano und lacht nicht. Die Fans haben schon Feuerzeug gezückt, als wäre es ein Pokalfinale – dabei steht nur das Achtelfinale an. Das sagt alles über die Sehnsucht nach einem Wunder.
Die Aufstellung ist ein Sudoku. Casale oder Heggem rechts? Moro oder Pobega in der Box-to-Box-Rolle? Und vorne: Bernardeschi als falsche Neun, Rowe als Turbo-Außenbahn, beide müssen Castros Leere füllen. Die englische Presse lacht bereits über die „italienische Achterbahn“. Doch genau das könnte zur Waffe werden: Wenn Bologna es schafft, Villa in die Dreizack-Variante aus hohem Pressing und schnellem Umschalten zu ziehen, gibt es ein Schlupfloch. Emery hasst Unberechenbarkeit.
Die Uhr tickt. In 48 Stunden entscheidet sich, ob Bologna weiter von der europäischen Bühne träumen darf oder zum ersten Mal seit 2002 wieder im Viertelfinale eines internationalen Wettbewerbs steht. Italiano packt seine Koffer nie vorzeitig. „Wir haben in den letzten drei Jahren immer Geschichte geschrieben“, sagt er. Diesmal muss sie in 180 Minuten passieren – sonst ist sie nur noch ein Fußnote.
