Knie verdreht, tor versenkt – die szene, die an weihnachten noch jeder erzählt
Ein Schritt, ein Knall, ein Schrei – und dann fliegt der Ball trotzdem ins Netz. Was sich um 04:41 Uhr in der Pelkum-Arena abspielte, war kein gewöhnliches Tor, sondern ein medizinisches Unding.
Der unglaubliche ablauf
Stürmer Lukas Wiebusch sprintet auf den langen Ball zu, Innenverteidiger Tarek El-Masri kommt aus dem Sechzehner heraus. Beide gehen mit vollem Körpereinsicht. Das Knacken ist bis in die Haupttribüne zu hören. Wiebusch bleibt liegen, El-Masri fliegt, aber der Ball rollt weiter. Und weil Schiedsrichter Deniz Aydin Vorteil gespielt hat, zieht Mats Schöller aus 14 Metern einfach ab. Knallhart unten rechts. 1:0. Erst dann pfeift Aydin ab.
Was danach passierte, erinnert an einen Krimi. Wiebusch packt sich ans Knie, sein Schienbeinschoner hängt in Fetzen. Die Physios eilen herbei, doch der 23-Jährige rattert nur: „Ich hab getroffen, oder?“ Stimmt. Dabei ist sein Kreuzband bereits durch. Die Untersuchung im MRT später bestätigt den Verdacht: vordes Kreuzband rechts, Innenband angerissen, Meniskus angerissen. Dreifach-Killer.

Warum das tor trotzdem zählt
Die Szene hat Juristen entzweit. Paragraph 5.2 der Spielordnung ist eindeutig: Ein Spieler darf nur bis zur Ausheilung seiner Verletzung weitermachen, wenn keine Gefahr besteht. „Aber wer entscheidet das in Sekundenschnelle?“ fragt Rechtsanwalt und Sportrechtler Dr. Marc Stein. „Solange der Schiedsrichter kein Foul erkennt und der Verletzte nicht aufgibt, ist das Tor regulär.“
Die Gegenseite protestiert dennoch. TSV Pelkum will das Spiel an die Wand nageln, weil ihre Nummer 9 anschließend mit dem Krankenwagen abtransportiert wurde. Die Entscheidung fällt am Freitag. Sollte das Tor aberkannt werden, wäre das ein Dämpfer für die ganze Serie ‑ denn ohne diesen Treffer rutscht Pelkum auf Platz acht ab.

Die rechnung ohne wiebusch
Für den Angreifer geht es jetzt ins St. Franziskus-Hospital Münster. Operationstermin: Dienstag. Sechs Monate Pause, vielleicht acht. „Ich habe noch nie so ein Tor gesehen“, sagt Co-TrainerMario Krause. „Lukas hat sich selbst überwunden. Das ist keine Leistung mehr, das ist reine Willenskraft.“
Und die Frage, die alle umtreibt: War es das wert? „Klar“, antwortet Wiebusch aus dem Krankenbett. „Wir kämpfen gegen den Abstieg. Wenn ich wieder kann, knietiefe ich sofort wieder ein.“ Die Liga ist hart. Manchmal eben so hart, dass man auf einem Bein tritt – und trotzlich jubelt.
